Es gibt selten ein Land, das wie Italien auch in kleinen Städten so modern versorgte und reichhaltige Bücherläden aufweisen kann, in denen die Neuerscheinungen des Weltmarktes von Hemmingway bis Sartre zu finden wären – kaum ein Land, das über so viele private oder öffentliche Initiativen zur Prämiierung einheimischer Schriftsteller verfügt und ... dessen Durchschnittsbürger konsequent keine Bücher kauft. Das soll aber nicht heißen, daß er keine liest, im Gegenteil, neunundvierzig von ihnen bringen es fertig, von dem fünfzigsten, der nun wirklich ein Buch gekauft hat, dieses auszuborgen.

Deshalb ist die wirtschaftliche Lage des italienischen Schriftstellers wenig beneidenswert, und nur selten kann einer wirklich „davon“ leben. Eine weitere Leseruntugend des gebildeten italienischen Mittelstandes, der sich mit moderner Literatur beschäftigt, ist, daß er die eigene Produktion meist ignoriert und ausländische Romane den einheimischen vorzieht.

Welchen Anteil hat nun die deutsche Literatur an dieser „schlechten Gewohnheit“, gegen die alle Versuche verantwortungsbewußter Verleger und Bücherfreunde bisher machtlos waren? Es besteht zweifellos ein großes Interesse, auch mit dem deutschen Geistesleben in Verbindung zu treten, obwohl der Beitrag des deutschen Buches neben dem anglo-amerikanischen natürlich noch verschwindend klein ist, besonders weil auch die Auswahl der zu veröffentlichten Autoren noch zu sehr oder zu oft geschäftlichen Erwägungen untergeordnet ist.

Der junge, sehr lebendige Rizzoli Verlag aus Mailand, der auch für die vielgelesene Zeitschrift „Oggi“ zeichnet, hat seit einigen Jahren damit angefangen, Meisterwerke der Weltliteratur in gefälliger und vor allem billiger Ausgabe neu zu verlegen. Wenn man bedenkt, daß sonst das schmälste Bändchen irgendeines neuen Autors von acht Mark aufwärts kostet, so war der Initiative, die den Verkaufspreis zwischen 50 Pfg. und zwei Mark hält, von vornherein der Erfolg sicher. Von deutschen Werken finden wir dort neben „Maria Stuart“ und dem „Faust“, „Peter Schlehmil“, Erzählungen von Hauff, E. T. A. Hoffmann, Riccarda Huch, Sudermanns „Dame in Grau“ und Büchners „Dantons Tod“.

Wenn es sich jedoch um einen Bestseller wie Cerams „Götter, Gräber und Gelehrte“ handelt, die der ausgezeichnet geleitete kommunistische Turiner Verlag Einaudi herausbrachte, so werden die dafür verlangten 20 Mark gern bezahlt. Der gleiche Verlag zeichnet auch verantwortlich für eine sehr gepflegte Ausgabe Hölderlinscher Gedichte, die in der italienischen Übertragung nur wenig von ihrem Zauber verloren haben.

Bompiani hatte 1942 den großen Verdienst, von Bontempelli unterstützt, eine der besten, vollständigsten und gepflegtesten Sammlungen deutscher Erzähler von Moscherosch und Grimmelshausen bis Binding und Hugo von Hofmannsthal herauszugeben. Diese Ausgabe ist bisher nicht nur nicht überflügelt, sondern auch unerreicht geblieben, und man kann nur wünschen, daß sie später einmal durch eine ebenso umfassende Zusammenstellung neuerer und neuester Erzähler vollendet werde.

Nach dem Kriege veröffentlichte Bompiani Pliviers „Stalingrad“ und dann die letzten Werke Wiecherts, nachdem er früher schon Rilke und Jaspers. gebracht hatte.