Auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt, die bis zum 2. Oktober andauert, sind u. a. folgende uns bis zum Redaktionsschluß bekanntgewordenen Neuheiten der deutschen Automobilproduktion vertreten:

Die Daimler-Benz AG zeigt den Diesel-Leichtlaster „L 319“, mit dem sie ihr Lastwagenprogramm nach unten abrundet. Bei dem neuen 1 3/4-Tonner wurde die mittragende Bauweise, die sich bei den Mercedes-Benz-Pkw-Typen „180“ und „220“ so ausgezeichnet bewährt hat, übernommen, um ein möglichst günstiges Verhältnis zwischen Eigengewicht und Nutzlast sicherzustellen. Auch der Motor des „L 319“ ist ein alter Bekannter: es handel sich um den gleichen 1,8-1-Vierzylinder-Dieselmotor, der seit Jahren in die Mercedes-Benz-Dieselpersonenwagen eingebaut wird. Seine Leistung wurde durch technische Verfeinerungen auf 43 PS gesteigert. – Eine weitere Mercedes-Benz-Neukonstruktion ist der „Unimog S“. Sein Sechszylinder-Ottomotor leistet 85 PS, das Sechsganggetriebe ist voll synchronisiert. Der Geschwindigkeitsbereich des Fahrzeugs erstreckt sich von der Höchstgeschwindigkeit von 95 km/h bis zu der geringsten Arbeitsgeschwindigkeit im 1. Gang von rund 1,5 km/h. Hierdurch ist seine Verwendung auch als Zug- und Arbeitsfahrzeug in Verbindung mit Arbeitsgeräten möglich. – Ferner bringt das Unternehmen unter der Bezeichnung „O 319“ einen neuen Leichtomnibus mit Pkw-Dieselmotor heraus. Der Omnibus verfügt über 18 Plätze. Sein Vierzylinder-Dieselmotor leistet 43 PS und erlaubt dem Fahrzeug eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Bemerkenswert ist, daß der Motor in die Wagenfront einbezogen wurde. – Auf dem Gebiet der Pkw-Typen überrascht das Untertürkheimer Werk mit dem „190 SL“ als Kupee und dem „220 A“ als vier- bis fünfsitzigem formschönem Kabriolett. Verbesserungen sehr wesentlicher Art sind bei den Typen „300“, „300 S“, „220 A“ und „180 D“ zu verzeichnen.

Von der Bayerische Motoren Werke AG, München, wird auf ihrem Ausstellungsstand neben den bisherigen Wagentypen das um verschiedene Neuschöpfungen erheblich erweiterte Fabrikationsprogramm 1955/56 gezeigt. Als Überraschung – besonders für die Freunde sportlich schneller Wagen – bringt das Münchener Werk vier völlig neue Wagentypen heraus. Es handelt sich um das 3,2-1-Kabriolett „BMW 503“, das zugleich auch als Kupee herauskam, ferner um den 3,2-1-Touring-Sportwagen „BMW 507“ und das „BMW 505-Fahrgestell“, das für Aufbauten von Spezialkarosserien entwickelt wurde. Der bisherige 8-Zylinder-BMW wird jetzt übrigens ebenfalls mit einem 3,2-1-Motor geliefert, mit dem alle vier Neuschöpfungen ausgestattet sind. Mit dem Touring-Sportwagen setzt BMW seine langjährige und erfolgreiche Tradition im Bau schneller Sportwagen fort? auch mit dem Kabriolett und dem Kupee knüpft BMW an eine langjährige Tradition an. Die Wagen verfügen über 140 PS Leistung; die Spitzengeschwindigkeit dieser eleganten und repräsentativen BMW-Wagen, die eine neue Form und Linie aufweisen, liegt bei 190 km/h.

Einen neuen Wagen der Mittelklasse startete die Auto Union GmbH, Düsseldorf, mit dem neuen und großen „DKW 3=6“. Er präsentiert sich nicht nur, wie ursprünglich erwartet wurde, als eine verbesserte „DKW-Sonderklasse“, sondern als ein völlig neues Modell, dessen Bequemlichkeit, Fahrsicherheit und Leistung alle Ansprüche erfüllen, die bislang nur an Wagen weit höherer Preisklassen gestellt werden konnten. Karosserie- und Spurweite wurden um volle 10 cm breiter. Die Leistung des Dreizylindermotors wurde um 12 v. H. auf 38 PS erhöht; seine Höchstgeschwindigkeit wird mit 120 bis 125 km/h angegeben. Erstmalig – und das ist besonders bemerkenswert – ist die Auto Union dazu übergegangen, jetzt auch eine viertürige Limousine zu produzieren.

Borg ward stellt’seine beiden neuen Pkw-Typen „Isabella-TS“ (Touring-Sportwagen) und „Hansa 2400 Pullman“ vor. Die „Isabella-TS“ ist ein Produkt neuer Erfahrungen bei rennsportlichen Veranstaltungen und soll den Wunsch nach einem rasanten Tourensportwagen erfüllen. Sie ist „ausgerüstet mit einem Vierzylindermotor mit 1493 ccm Hubvolumen und einer Höchstleistung von 75 PS. Der Wagen hat ein synchronisiertes Vierganggetriebe und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h. Die „Hansa-2400-Pullman“-Limousine wurde sowohl motortechnisch als auch in der Innenausstattung und der äußeren Form weitestgehend verbessert. Der jetzt 100 PS leistende Motor verleiht dem Wagen eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Leistung und Ausstattung reihen damit den Pullman in die Spitzenklasse der großen Reisewagen ein. Der Motor hat 6 Zylinder und ein Hubvolumen von 2337 ccm. Das Vierganggetriebe ist vollsynchronisiert.

Die Überraschung der Lloyd Motoren Werke GmbH, Bremen, ist die Erweiterung ihrer bisherigen 400-ccm-Zweitaktserie um neue und verbesserte Typen mit einem 600-ccm-Viertaktmotor. Mit dieser Entwicklung erfüllt das Bremer Werk die Wünsche vieler Lloyd-Freunde, die sich schon seit langem für einen stärkeren und damit leistungsfähigeren Wagen ausgesprochen hatten. Wir sind davon überzeugt, daß die 600-ccm-Serie einen neuen und großen Käuferkreis erschließen wird, ohne dem 400-ccm-Kleinwagen einen spürbaren Abbruch zu tun.

Die Bremer Goliath-Werke GmbH, die mit ihrem „Goliath 1956“ bereits vor einiger Zeit herauskam und inzwischen feststellen konnte, daß für den 900-ccm-Typ bei den Käuferkreisen eine erfreuliche Aufnahmebereitschaft besteht, bringt zum Frankfurter Salon ihren Schnell-Lieferwagen „Expreß“ nun ebenfalls mit dem 900-ccm-Motor heraus, der mit der Bosch-Benzineinspritzung 40 PS leistet.