h. h., Berlin

Es ist nichts dagegen zu sagen, daß der Bund Deutscher Architekten in Berlin beschlossen hat, den schönsten Neubau des Jahres mit einem Preis auszuzeichnen. Daß man aber auch den häßlichsten Bau des Jahres prämiieren und seinen Schöpfer öffentlich anprangern will, ist eine Maßnahme, die bedenklich nach Diktatur schmeckt.

Berlin war einmal eine kosmopolitische Stadt. Auch der Kitsch gehört zum Weltbürgertum. In seinem Zeichen stand die Jahrhundertwende, in der sich das provinzielle Berlin zur Weltstadt wandelte. Der alte Kurfürstendamm, die Gedächtniskirche und das Romanische Café waren, architektonisch betrachtet, Scheußlichkeiten, die wir von ganzem Herzen liebten. Noch heute weinen wir ihnen nach. In der wilhelminischen Ära gab es keine Diktatur solcher Art, in der Republik auch nicht. Man sollte such heute die Kirche im Dorfe lassen.

Wie, wenn heute in der Demokratie der also „prämiierte“ Architekt die Zuständigkeit der Jury bezweifelte, wenn er sie ablehnen würde und statt ihrer das Publikum entscheiden ließe? Wie, wenn sein Bau der Geschmacksrichtung des Publikums voll und ganz entspräche? Dann wären die Herren vom Bund Deutscher Architekten die Blamierten. Ihnen bliebe nichts übrig, als sich in die splendid Isolation ihrer fiktiven Autorität zu retten und das Publikum laut für Banausen zu erklären. Und das wäre dann erst recht peinlich. Für sie und für die Berliner.