Dem Wochenbericht über. die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank AG, dem Nachfolgeinstitut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen.

Im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung erfahren auch die Handelsbeziehungen, jedenfalls über einen längeren Zeitraum betrachtet, eine ständige Ausweitung. Diese Expansionstendenz wird besonders durch einen Vergleich der Nachkriegsentwicklung mit der Vorkriegszeit deutlich. Bereits im Jahre 1948 war der wertmäßige Weltexport mit 53 892 Mill. US-$ etwa 158 v. H. höher als vor dem zweiten Weltkrieg. Diese Ausdehnungstendenz wurde nur durch das Auslaufen des Korea-Booms abgeschwächt. Mit 77 357 Mill. US-$ wurde im Jahre 1954 der bisherige Höchststand erzielt. Die größte Ausdehnung der Ausfuhr, bewertet zu jeweiligen Preisen, haben mit + 386,7 v. H. die USA, gefolgt von Kanada (+ 383,4 v. H.) und Lateinamerika (+ 375,4 v. H.) aufzuweisen. Nun hat aber nicht nur eine wertmäßige Ausdehnung stattgefunden, sondern, wie eine Ausschaltung der Preissteigerung zeigt, auch eine mengenmäßige. Auch hier stehen die USA mit einer Zunahme von 134,7 v. H. weitaus an der Spitze, gefolgt von Kanada, dessen mengenmäßige Ausfuhr 1954 fast doppelt so hoch war wie 1938. Desgleichen haben die kontinentalen EZU-Länder mit + 60,7 v. H. eine erhebliche mengenmäßige Ausdehnung ihrer Ausfuhr aufzuweisen. Während Nord- und Südamerika ihren Anteil am Weltexport 1954 gegenüber 1938 vergrößern konnten, ist praktisch derjenige der übrigen Welt zurückgegangen. In dieser Entwicklung kommt eine deutliche Verlagerung des internationalen wirtschaftlichen Schwergewichts auf den amerikanischen Kontinent zum Ausdruck.

Getreide: An den nordamerikanischen Getreidebörsen war die Preistendenz während der vergangenen Woche überwiegend nach oben gerichtet. Besonders stark erhöhten sich die Roggen-, Hafer- und Maisnotierungen. Gegen Wochenschluß führte die Mitteilung des US – Landwirtschaftsministers, daß die US-Regierung Maßnahmen zur Verhinderung der rückläufigen Entwicklung des Farmereinkommens ergreifen wolle, zu Käufen und Deckungen der Baissiers. Außerdem erhielt der Weizenmarkt durch die Aussicht auf größere Exportverkäufe nach europäischen Ländern und bessere Nachfrage der US-Mühlenindustrie eine Stütze. – Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß das neue Getreidewirtschaftsjahr über große Bestände verfügen wird, da die Welternte erneut auf über 7 Mrd. bu geschätzt wird. Wenn auch nach den neusten Schätzungen des US-Landwirtschaftsministeriums vom 1. 9. 1955 die US-amerikanische Weizenernte mit 916,8 Mill.; bu rd. 5 v. H. niedriger sein wird als diejenige des Jahres 1954, wird in Kanada eine um etwa 60 v. H. größere Ernte erwartet. Australien rechnet mit einem Ubertrag in das am 1. Dezember 1955 beginnende neue Weizenjähr in Höhe von 94 Mill. bu. Zur Stabilisierung der Weltweizenpreise, die unter dem Druck der großen Vorräte liegen, hat sich die kanadische Landwirtschaftsdelegation auf der in Rom stattfindenden Konferenz der Internationalen Vereinigung landwirschaftlicher Erzeuger für eine Verlängerung des im Juli 1956 ablaufenden internationalen Weizenabkommens ausgesprochen. Die Vorbesprechungen über ein neues Abkommen werden wahrscheinlich im Oktober in Genf auf Einladung der Vereinten Nationen geführt werden. Inzwischen hat das kanadische Weizenamt infolge des zu erwartenden Überangebots an Weizen der Spitzenqualität den Preis für Northern Manitoba Nr. 1 um 1 ct. auf 175 c/bu ermäßigt, der seit März unverändert bei 176 c/bu gelegen hatte.

NE-Metalle: Die US-Märkte standen während der Berichtswoche weitgehend unter dem Einfluß des New Yorker Dockarbeiterstreiks. In London setzten Zink und Blei ihre Anstiegsbewegung fort, und auch Zinn wies einen im Vergleich zur Vorwoche höheren Durchschnittspreis auf. Demgegenüber konnte Kupfer das hohe Niveau der Vorwoche nicht halten.

Kupfer: Der New Yorker Markt war infolge des inzwischen allerdings beendeten Dockarbeiterstreiks durch eine weitere Verknappung gekennzeichnet, Das Amt zur Mobilisierung der Verteidigung (ODM) hat 11 000 sht Kupfer, die für die strategische Reserve im IV. Quartal 1955 bestimmt waren, der privaten verarbeitenden Industrie zur Verfügung gestellt. Außerdem hat es Verkäufe von solchem Kupfer an die Industrie genehmigt, das im letzten Quartal 1955 der Regierung im Rahmen des Verteidigungsproduktionsgesetzes zu liefern ist. – In London war die Preistendenz überwiegend nach unten gerichtet. Hierzu hat die Annahme beigetragen, daß die US-Regierung dem Antrag der führenden Fachverbände der kupferverarbeitenden Industrie in den USA stattgeben könnte, 100 000 tons Chilekupfer aus der strategischen Reserve an die Verarbeiter freizugeben. Außerdem waren die europäischen Konsumenten in ihren Dispositionen vorsichtiger, und die Vorräte der britischen Verbraucher sollen gegenwärtig besser sein als noch vor einiger Zeit.

Wolle: Unter dem Einfluß des zum Teil schwächeren Trends auf den Wollversteigerungen in London und in den Dominien wies der Londoner Wollterminmarkt überwiegend einen ruhigen und farblosen Verlauf auf. Gegen Wochenende rief die festere Tendenz für Rohwolle an den Ursprungsmärkten sowie eine Belebung des Kaufinteresses eine Preisbesserung hervor. – Am Bradforder Kammzugmarkt hat sich während der Berichtswoche die Umsatztätigkeit belebt. Die Notierungen neigten jedoch im allgemeinen zur Schwäche, da keine spekulativen Käufe zur späteren Lieferung in Kammzügen vorgenommen wurden. Allgemein werden jedoch größere Käufe erwartet, da diemeisten Vorarbeiter nur (über äußerst geringe Bestände verfügen sollen.

SisaI: It London verlieh das gute Kaufinteresse nach den unteren Gradierungen dem Markt ein festes Gepräge. Demgegenüber waren die Spitzengradierungen vernachlässigt und Sisal Nr. 1 konnte seinen bisherigen Preis nicht halten, sondern ermäßigte sich auf 85 £/lgt.