Militärjunta verjagt Peron

Die Diktatur Perón ist beendet, Argentinien atmet auf. Was sich während der letzten Tage am La Plata begab, war vorauszusehen. Das Militär, das solange Gewehr bei Fuß den Dingen zugeschaut hatte, ergriff die Initiative zum Handeln. Eine Revolte, hieß es zuerst, ein Putsch der Abtrünnigen, der leicht beizulegen sei. Doch es zeigt sich, daß diesmal der Fall ernster lag. Marine, Heer, Luftwaffe schlossen sich, anfangs zögernd in einzelnen Kadern, doch dann um so einmütiger zusammen. Provinz auf Provinz fiel den Aufständischen zu. Den Ausschlag gab die Flotte, welche gedroht hatte, Buenos Aires in Schutt und Asche zu legen.

Peron wich dem zunehmenden Druck der Mehrheit. Er hat abgedankt, nachdem er zuvor, wie üblich bei Diktatoren, erklären ließ, er habe nur seine Pflicht erfüllt und mit allen Mitteln Verfassung und Recht geachtet. Die Verantwortung für das, was geschehen sei, trage die Reaktion. Träger dieser makabren Botschaft war der letzte seiner Getreuen, General Lucero. Auch er hat inzwischen „unwiderruflich“ abgedankt. Eine Militärjunta, bestehend aus drei Generälen, wird einstweilen die Regierung übernehmen und für Ruhe und Ordnung Sorge tragen. Der Generalsekretär der Gewerkschaften, di Pietro, ermahnte die Arbeiter zur Ruhe. Noch 24 Stunden zuvor hatte er sie aufgefordert, die Waffen gegen die Rebellen zu ergreifen. Welche Waffen übrigens? Peron war zeit seiner Regierung,war zeit seines Lebens ein Hasardeur und Schauspieler. Vielleicht spielt er selbst noch jetzt mit dem Gedanken, ihm werde im Drama Argentiniens noch einmal die tragende Rolle zufallen. Wird es dazu kommen? Wir möchten es nicht annehmen. Die Ära Peron gehört seit dem 19. September der Vergangenheit an. Neue Kräfte werden den Dingen in Argentinien ein anderes Gesicht geben.

Vielleicht das einer echten Demokratie, wie sie schon früher im Laufe der Geschichte dort existiert hat. Jedenfalls ist es ermutigend, daß hier ein Diktator ohne Krieg, durch einen gelungenen Staatsstreich von innen, gestürzt wurde. Heinz Hell