Am Freitag, dem 3. August 1951, erzitterte die Rheinebene zwischen Darmstadt und Worms in einem gewaltigen Beben, dann jagte eine gewaltige Detonationswelle über die Felder und die sumpfigen Niederungen des Altrheins, und in der Gegend von Wolfskehlen erhob sich eine; gut vierzig Kilometer weit sichtbare Feuersäule, Unter ihr schmolz in Sekundenschnelle einer der ersten Ried-Bohrtürme zu einem weißglühenden Stahlknäuel zusammen ...

Die Wolfskehlener Probebohrung der „Gewerkschaft Elwerath“ hatte an jenem Tag 900 Meter Tiefe erreicht, als ein aus dem Bohrloch zurückgezogenes Rohr gegen das Stahlgerüst schlug und einen Funken erzeugte. Mit rund 100 Atmosphären Druck strömte Erdgas aus dem Bohrloch und entzündete sich. Das war der Beginn der Erdölförderung in Hessen. „Wo Erdgas ist, wird sich auch Öl finden“ hatten sich die Bohrmeister an jenem 3. August gesagt. Und schon das Erdgas allein eröffnete die schönsten Aussichten, Als die Flamme eine Stunde loderte, unterbrach der Hessische Landtag in Wiesbaden seine Sitzung, um außerhalb der Tagesordnung einer Erklärung des Ministerpräsidenten über das Naturereignis von Wolfskehlen entgegenzunehmen. Zinn sagte der Wirtschaft des Rhein-Main-Neckarviertels einen gewaltigen Aufschwung durch das Erdöl voraus. – Jetzt erst beginnt er sich abzuzeichnen. Die neue Energiequelle gewinnt Bedeutung für die Industrien am Untermain und an der Neckarmündung.

Heute sind im Ried acht Erdgasquellen und neunzehn Erdölbohrungen mit einer Jahresförderung von rund 60 000 t in Betrieb. Das erscheint noch wenig gegenüber der westdeutschen Gesamtproduktion von zwei Mill. t und der Welt-Erdölförderung von 700 Mill. t. Aber erst jetzt ist das Stadium der Versuche im Ried soweit zum Abschluß gekommen, daß das Schwergewicht auf den weiteren Ausbau der Anlagen gelegt werden kann. Neue Gas- und Ölleitungen quer durch die Ebene zu den Abnehmern in Ludwigshafen – Oppau und an der Mainspitze und der Bau einer Raffinerie in Gernsheim am Rhein werden neue Möglichkeiten zur raschen Verzinsung der Investitionen eröffnen und damit die Anlage weiterer Bohrungen begünstigen. Das Land Hessen, das mit fünf v. H. an den Einnahmen beteiligt ist, verdient gegenwärtig etwa 800 000 DM jährlich am Erdöl. Die Summe wird sich wahrscheinlich rasch erhöhen... Dd.