Alles, was mit Spionage zusammenhängt, hat zu allen Zeiten einen starken Widerhall gefunden. Theaterstücke, Filme und Bücher zu diesem Thema können von vornherein des Erfolges sicher sein. Das gilt auch für das Buch von

Karl Heinz Abshagen: „Canaris“, Union Deutsche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 410 Seiten, IC,80 DM

Es ist eine Biographie, die mit minutiöser Genauigkeit das Leben des Chefs des Geheimen Nachrichtendienstes der deutschen Wehrmacht in den Jahren 1935 bis 1944 von seiner Kindheit im gepflegten Hause seiner gebildeten und wohlhabenden Eltern bis zu seinem gewaltsamen Tod durch den Henker am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbrück schildert. Schon im Untertitel „Patriot und Weltbürger“ wird angedeutet, daß Abshagen versucht, mit allen Behauptungen aufzuräumen, die wissen wollen, daß Canaris ein „Verräter“ war. Es kommt dem Verfasser vielmehr darauf an, immer wieder zu zeigen, daß Canaris das Beste wollte und im besten Sinne des Wortes wie „ein guter Deutscher“ handelte. Gestützt auf Aussagen vieler verantwortungsbewußter Menschen, die Canaris gut kannten, und auf Grund eines gründlichen Aktenstudiums gibt Abshagen, der mit dem Abwehrchef auch selbst persönlichen Kontakt hatte, ein Bild vom Wirken dieses Mannes, der wie wenige Zivilcourage besaß, wenn es galt, Vorgesetzte mit unangenehmen Nachrichten bekannt zu machen. Die Meinung, Canaris sei nur ein Ehrgeizling oder gar ein Saboteur gewesen, wird niemand teilen, der dieses Buch liest.

Während Abshagens „Canaris“ ein für die Kenntnis der Zeitgeschichte wichtiges Werk von dokumentarischem Wert ist, ist das Buch von

Carl Haensel: „Kennwort Opernball 13“, Carl Schünemann Verlag Bremen, 318 S., 10,80 DM leichtere Kost, aber immerhin eine nicht nur kriminalromanhaft spannende, sondern auch eine im wesentlichen glaubwürdige Darstellung der größten Spionageaffäre in der Habsburgermonarchie. Der Leser wird mit allen Einzelheiten der letzten zwölf Stunden des Obersten Redl vertraut, der die Aufmarschpläne des k.u.k. Kriegsministeriums monatelang an Rußland verriet, weil er infolge seiner unglücklichen Veranlagung einem Erpresser hohe Summen als Schweigegeld zahlen mußte. Die altösterreichische Mentalität und Atmosphäre im Wien und im Prag des Jahres 1913 mit ihrer allgemeinen Angst vor dem Ausbruch eines Krieges ist trefflich erfaßt. Der Autor vergaß auch nicht zu würdigen, was der unvergessene „rasende Reporter“ Egon Erwin Kisch dazu beitrug, daß zum Entsetzen des österreichischen Kaiserhauses und seiner Generalität die Affäre Redl in sensationellster Form sofort im In- und Ausland bekannt wurde. o. m.