Bundesbahn tanzt außer der Reihe

Anfang Juni nächsten Jahres werden alle europäischen Eisenbahnen – mit Ausnahme der spanischen – nur noch zwei Wagenklassen führen. Die jetzige 1. Klasse wird abgeschafft und die beiden übrigen Klassen rücken in der Bezeichnung eine Stufe höher. Der bisherigen Übung entsprechend wollen die europäischen Eisenbahnverwaltungen die alten Bezeichnungen beibehalten. Lediglich aus Deutschland kommt ein anderer Vorschlag. Wie wir hören, will sich eine führende Persönlichkeit der Deutschen Bundesbahn dafür einsetzen, die Klassenbezeichnung nach Buchstaben einzuführen, so daß wir zukünftig eine A- und B-Klasse bei der Bundesbahn hätten. Der Bundesverkehrsminister will sich dieser Auffassung anschließen.

Diese neue Bezeichnung würde sich den Gepflogenheiten anpassen, die im internen Verkehr der Eisenbahnen (als Qualitätsbezeichnung für die Wagen) angewandt werden. Dort hat sich die Bezeichnung zweifellos bewährt. Aber die Zahlenbezeichnung ist nun einmal persönlicher als die Buchstabenbezeichnung. Es würde sicherlich nicht gut klingen, wenn man im internationalen Sprachgebrauch den Legationsrat erster Klasse als Legationsrat A bezeichnen würde. Die persönliche Note, die sich der gesamte Eisenbahnverkehr trotz aller Massenbeförderung erhalten hat, wird bei der Lösung einer Fahrkarte „Erster Paris“ besser gewahrt, als wenn man zukünftig „Paris A“ fordern müßte. Es sollen eben Personen und keine Waren befördert werden, und es wäre gut, wenn diese Tatsache auch in der Bezeichnung der Wagenklassen weiter deutlich erkennbar bliebe. m