i 3 ist zu erwarten daß die Kartoffelpreise ■"" in diesem Herbst höher liegen werden als im letzten Jahr. Anltfi zu dieser Vermutung wurde auf der am vergangenen Wochenende (23. 9 ) in Hannover rom Zentralverband des Deutschen Kartoffehandels veranstalteten Herbstbörse gegeben. Vom Großhandel war zu erfahren, daß die Erzeigerpreise für Kartoffeln im vergangenen Herbst bei 4 50 bis 4 80 DM lagen und somit — mt Ausnahme von Bayern — die niedrigsten sei Jahren gewesen seien. In diesem Jahre rechret man damit, daß kein Angebotsdrucfc eintreten und der Erzeuger Preise von 5 bis 6 DM erzielen wird.

Diese Vorausschau beruht im wesentlichen darauf, daß nach den vorliegenden Schätzungen die Kartoffelernte 1955 mit 24—25 Mill t (gegenüber 26 8 im Jahre 195t) nur eine knapp durchschnittliche sein werd. Besonders im Norden Westdeutschlands hat die Trockenheit die Erträge gemindert. Bmdesernähningsmmister Dr. Lübke geht mit seinen Schätzungen sogar nur an die untere Grenze, nämlich 24 Mill t. Er wies in Hannover allerdings mit Recht darauf hin, daß die jährlichen Proberodungen erst zu einem Teil beendet seien, so daß den Schätzungen noch die letzte Genauigkeit fehle. Nun ist aber nicht nur mit einer gegenüber dem Vorjahr verminderten Kartoffelernte zu rechnen, sondern auch zu berücksichtigen, daß sich der deutsche Scbweinestapel gegenüber dem Vorjahr um etwa 2 Mill. Stück auf 13 76 Mill vermehrt hat. Dese beiden Ereignisse, nämlich leicht vermindsrte Ernte und erhöhte Schweinehaltung, würcen nach Meinung des Kartoffelgroßhandels "die volle Kraft der Preisrelationen zwischen den einzelnen Zweigen der Kartoffelverbraucher ins Spiel setzen". Ein Pessimismus der Speisekartoffelverbraucher ist jedoch nicht angebracht, da sich der Speisekartoffelbedarf nur auf etwa 8 Mill t beläuft. Die Kartoffelqualität dürfte im Durchschnitt erheblich besser ausfallen als 19_54.

Nicht nur die Verbraucher von Speisekartoffeln, auch die Landwirtschaft sollte dankbar sein, daß Minister Lfibke in Hannover einige wichtige Forderungen für die Kartoffelwirtschaft aufgestellt hat: Um den allmählichen, aber stetigen Rückgang des SpeisekartoffelVerbrauchs zu stoppen, ist es notwendig, die Qualität zu steigern und auf die Wünsche der Hausfrau Rücksicht zu nehmen. Gegenwärtig hat es den Anschein, als erfolge der Kartoffelanbau mehr nach betriebswirtschaftlichen als nach Gesichtspunkten des Marktes. Es herrscht auf unserem Kartoffelmarkt ein störendes Durcheinander der Sorten. Mindestens 200000 ha der Kartoffelanbaufläche müssen umgestellt werden, um auf der einen Seite reine Eßkartoffeln zu erzeugen und daneben solche ausschließlich für Wirtschaftszwecke. Der Zentralverband des Deutschen Kartoffelhandels hat durch seinen Präsidenten Westermann wissen lassen, daß der Handel die Forderung Bach einer unablässigen Verbesserung der Qualität unterstützt. Wenn die Landwirtschaft dieser Forderung nicht mehr allein nachkommen könne — so sagte Westermann —, müßten Handel und Genossenschaften als Helfer der Landwirtschaft wenigstens einen Teil dieser Arbeiten übernehmen. Einiges — z. B durch das Abpacken der Eßkartoffeln in Verbraucherpackungen — ist hier bereits geschehen, dt