Dem anhaltende Abgabedruck war der Rentenmarkt auf die Dauer nicht gewachsen. In der vergangenen Woche kam es sowohl bei den Bundes- lud Länderanleihen als auch bei den Industrieobligationen zu ins Gewicht fallenden Abschlägen. Bei der Bundes- und Lastenausgleichsanleihe mußten von den kurspflegenden Stellen oftmals größere Beträge aufgenommen weiden. Die 6 1/2prozentigen Investitionshilfeanleihen der vierten Ausschüttung wurden teilweise bereits zu 3 1/2 Punkten unter ihrem Emissionskurs von 97 v. H. umgesetzt. Besser behauptet, wenn auch leicht nachgebend, waren im allgemeinen die Pfandbriefe. Die völlig veränderte Situation auf dem Rentenmarkt – hervorgerufen durch die kreditpolitischen Maßnahmen der BdL – haben dazu geführt, daß die geplante Anleihe des Landes Rheinland-Pfalz mit einem Zinssatz von 5 1/2 v. H. bei einem Ausgabekurs von 98 v. H. zunächst zurückgestellt werden mußte. In Anlegerkreisen erwartet man einen Stillstand im Absinken des Kaptalmarktzinses und hofft angesichts der angespannten Lage auf dem Geldmarkt auf günstigere Konditionen. Die Sicherheit auf dem Markt der festverzinslichen Papiere wird sich erst wieder einstellen, wenn feststeht, daß mit weiteren restriktiven Maßnahmen der BdL nicht mehr zu rechnen ist. Die letzte Diskonterhöhung konnte in ihren Auswirkungen inzwischen ebenso überwunden werden, wie die angeordnete Erhöhung der Mindestreserven. Erhalten geblieben ist jedoch eine gewisse Reserve der Banken.

Angesichts der Unnöglichkeit, ohne empfindliche Rückschläge Realisationen vorzunehmen, wich man bei den Geldbeschaffungsverkäufen wieder auf den Aktienmarkt aus, dessen Tendenz in der vergangenen Woche überwiegend labil war. Es kam in den führenden Aktienwerten anfangs zu größeren Abgaben, an denen auch das Ausland beteiligt war. Deckungskäufe der Leerspekulation brachten später eine gewisse Entlastung! auch einige Publikumsaufträge trugen zur Kurserholung bei. Sogar die Papiere mit Ostcharakter kamen wieder zu Ehren, nachdem sie im Anschluß an die Moskaureise des Bundeskanzlers einen fühlbaren Rückschlag hinnehmen mußten. Die IG-Farben-Liquis fielen zeitweise bis 44 zurück, waren aber zum Wochenschluß wieder bis – 46 1/2 v. H. erholt. Es ist anzunehmen, daß die Ostwerte mit Näherrücken der Genfer Außenministerkonferenz noch an Interesse gewinnen werden, was natürlich allein eine spekulative Grundlage hat.

Der Montanmarkt wird immer noch durch Konzentrationspläne beeinflußt, wenngleich sich die Umsätze auch hier in engen Grenzen hielten. Interessenkäufe dürften bei Rhein.-Westf. Eisen (250–252), Ruhrstahl (258 bis 263) und Gußstahl Witten (290–296 1/2) vorgelegen haben. Bei Handels-Union haben die Mehrheitskäufe offenbar wieder eingesetzt (315–321). Nach Lage der Dinge ist in den genannten Papieren mit forcierten Aufkäufen (wie seinerzeit im Falle Erin) kaum zu rechnen. Bei Gußstahl Bochum (170) kann für 1953/54 eine Dividende kaum erwartet werden, doch soll der Abschluß immerhin bemerkenswert sein. Im übrigen fielen die meisten marktgängigen Papiere der Schwerindustrie um 2 bis 4 Punkte zurück.

Leicht abbröckelnd war ebenfalls die Tendenz bei den großen IG-Farben-Nachfolgegesellschaften. Bei den Elektrowerten konnten sich AEG ziemlich behaupten, während Siemens am Wochenende gegenüber der Vorwoche 6 Punkte nachgegeben hatten. Mit einer Kapitalerhöhung kann nach Ansicht von Börsenkreisen in diesem Jahr nicht mehr gerechnet werden. Stimmungsmäßig gedrückt waren die Siemens-Aktien durch die Ereignisse in Argentinien, wo erst vor kurzem ein Millionenauftrag placiert werden konnte. Mit Sorge hat man die dortigen Vorgänge verfolgt, weil neben Siemens auch noch andere große deutsche Aktiengesellschaften dort Vermögensinteressen zu sichern haben.

Von der schwachen Aktientendenz ziemlich unberührt lagen die Bankaktien, wo die Commerzbank-Nachfolger im Hinblick auf die Kapitalerhöhungen sogar an Boden gewinnen konnten. Die mehrfach herausgestellte gute Entwicklung auf diesem Gebiet läßt die Hoffnung auf Dividenden zu, die 10 v. H. für 1955 erreichen werden. Somit ließen sich hier die Kurse am ehesten durch eine Rendite rechtfertigen. Eine eindeutige Abwärtsbewegung war allein bei den Aktien der Dt. Asiatischen Bank zu erkennen, wo sich die spekulativen Käufer jetzt von ihren Posten trennen. Da der Kurs nur durch eine höhere Dividende als 5 v. H. und durch ein Bezugsrecht gerechtfertigt werden kann, in beiden Punkten jedoch keine Andeutung von Seiten der Verwaltung vorliegen, erscheint die Käuferzurückhaltung berechtigt.

Zu einer einschneidenden Kurskorrektur kam es auch bei der Kieler Eiche-Brauerei, die von 146 auf 115 v. H. zurückgenommen wurden, ohne hier einen Käufer zu finden. Im Zuge der verflossenen Brauerei-Hausse wurde oftmals übersehen, daß dieses Papier noch in RM notiert. Bei einem Umstellungsverhältnis von 10 : 7 ergibt sich auch heute noch ein DM-Kurs von etwa 164 v. H. Das ist für ein bisher dividendenlos gebliebenes Papier ganz beachtlich, zumal wenn bei der Gesellschaft ein Großaktionär (Oetker) die Geschicke des Unternehmens weitgehend bestimmen kann. Eine weitere Sonderbewegung ist bei Jacobsen zu verzeichnen, die in diesem Falle allerdings nach oben gerichtet ist (102–108). Der eigentliche Grund für die Käufe, die von verschiedenen Seiten vorgenommen werden, ist noch unbekannt. – Die Zertifikate der Investment-Gesellschaft paßten sich wieder der nachgebenden Aktien- und Rententendenz an: FONDAK 350 2/8–346 1/2, FONDRA 220 3/8 bis 218 3/4 und FONDIS 137 3/4 – 135 7/8 DM. – ndt. Die Deutsche Bau- und Bodenbank AG, 1923 in Berlin gegründet, ging 1945 ihrer Zentrale im Sowjetsektor verlustig und wurde in Westberlin zum „ruhenden Institut“ erklärt. Die Existenz von Niederlassungen in Westdeutschland ermöglichte im November 1949 die Zulassung zum Neugeschäft mit Verwaltungssitz in Frankfurt a. M. Für Berlin wurde gleichzeitig die Berliner Bau- und Bodenbank mit einem AK von 1 Mill. DM gegründet. Nunmehr ist auch die Deutsche Bau- und Bodenbank wieder in Berlin zum Neugeschäft zugelassen worden mit der Maßgabe, das bisher selbständige Berliner Institut zu übernehmen und dann im Handelsregister zu löschen. Die Geschäftseröffnung wird voraussichtlich mit Beginn des neuen Jahres erfolgen. über die rechtliche Form des Überganges und die Frage, ob die Aktien des Berliner Instituts von der Deutschen Bau- und Bodenbank übernommen oder gegen deren Aktien umgetauscht werden, ist noch nicht entschieden. Für die erst jetzt vor großen und zusammenhängenden Aufgaben stehende Berliner Bauwirtschaft dürfte das große Kreditpotential der Deutschen Bau- und Bodenbank ein wertvoller Zuwachs sein.

Hannoversche Messe erhöhte AK um 3,55 Mill. DM. Während der Werkzeugmaschinen-Ausstellung fand auf dem Messegelände die HV der Deutschen Messe- und Ausstellungs-AG Hannover unter dem Vorsitz des AR-Vorsitzers Alfred Kubel statt. Sie verabschiedete den vom AR festgestellten Jahresabschluß 1954 und erteilte Vorstand und AR Entlastung. Weiter wurde beschlossen, das bisherige AK von 7,1 auf 10,65 Mill. DM zu erhöhen. Die dem Vorstand der Gesellschaft nach Zustimmung des AR erteilte Ermächtigung zur Ausgabe eines genehmigten Kapitals von 3,55 Mill. DM bleibt bestehen. Der frühere Stadtkämmerer und Stadtdirektor von Hannover, Dr. Müthling, ist aus dem AR ausgeschieden, da er zum Oberbürgermeister von Kiel gewählt worden ist. An seine Stelle tritt Stadtrat Ernst. Weiterist der frühere Präsident der IHK Hannover, Franz Henkel, durch den derzeitigen Präsident ten der IHK Hannover, Dipl.-Ing. Christian-Kuhlemann, im AR ersetzt worden.