Brentano in New York. – Zur Teilnahme an der Vorbereitung der Genfer Außenministerkonferenz ist Außenminister von Brentano mit Staatssekretär Hallstein in New York eingetroffen. Er wird seinen Westmachfkollegen darlegen, daß sich an der Bonner Einstellung: kein Sicherheitspakt ohne Wiedervereinigung, durch Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Moskau nichts geändert habe. Im Prinzip stimmen die Westmächte hierin mit Bonn überein, doch suchen sie nach einer Formel, die ohne Preisgabe dieses Prinzips den Sowjets ein Einlenken in Genf ermöglichen soll. Der sogenannte Eden-Plan, die Schaffung einer entmilitarisierten Zone im Grenzgebiet zwischen den „Blöcken“ steht im Vordergrund der Erwägungen. Eine Lockerung der vertraglichen Bindungen Bonns an den Westen steht dagegen vorläufig nicht zur Diskussion. Wie die Formel für Genf auch immer ausfällt, Moskau wird sie aller Voraussicht nach höflich, aber entschieden ablehnen, es sei denn, sie frage dem sowjetischen Wunsch Rechnung, die gegenwärtige deutsche Teilung hinzunehmen. Das zu verhindern, ist die Hauptaufgabe Brentanos. Gelingt es ihm, wird die Genfer Konferenz voraussichtlich mißlingen. Mißlingt es ihm, hat Genf gute Erfolgsaussichten, allerdings auf Kosten der deutschen Einheit.

Bonn zu Moskau Der Bundestag billigte einstimmig die Moskauer Abmachungen Adenauers. Doch die Sorge um die deutsche Einheit varf einen Schaffen über die Debatte und beeinträchtigte das Bild der so seltenen Einmütigkeit von Regierung und Opposition. Die Freude über die versprochene Heimkehr der Kriegsgefangenen überwog Bedenken gegen die eventuellen Folgen des Botschafteraustausches mit Moskau. Von einer Anerkennung der „DDR“ will die Bundesregierung nichts wissen. Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur „DDR“ durch andere Staaten werde sie als „unfreundlichen Akt“ befrachten. Pankow behauptet, Jugoslawien und Finnland hätten sich schon bereit erklärt, Gesandte mit der „DDR“ auszutauschen.

Eisenhower erkrankt. – Präsident Eisenhowers plötzliche Erkrankung an einer Herzthrombose war ein Schock für die amerikanische Öffentlichkeit. Die Kommentare, auch die des Auslandes, sind teilnehmend und besorgt. Eisenhower wird auch bei günstigstem Verlauf der Krankheit in den kommenden zwei bis drei Monaten die Antsgeschäfte einem Vertreter überlassen müssen. Die Frage, wer Eisenhower vertreten soll, Vizepräsident Nixon oder ein für die Krankheitsdauer zu ernennender „amtierender Präsident“, ist sowohl innen- wie außenpolitisch von Bedeutung. Es gibt unter den Männern, die in Frage kommen, Anhänger eines „härteren“ außenpolitischen Kurses (wie Nixon) und Befürworter einer um einge Nuancen weicheren Linie, wie der Senator George. Eisenhower steuerte einen mittleren Kurs zwischen beiden Richtungen.

Pankow und die Zukunft Berlins. – Von den Vereinbarungen zwischen Bulganin und Grotewohl haben die sowjetischen Zusicherungen bezüglich der Zufahrtswege nach Berlin praktisch die größte Bedeutung. Auf die Alliierten hat die Drohung Ulbrichts mit einer neuen Blockade Berlins keinen Eindruck gemacht. Das Zugangsrecht der Amerikaner, Engländer und Franzosen nach Berlin ist vertraglich gesichert, nicht aber das der Westdeutschen Der Versuchung, Berlin zu „erobern“ und zur Hauptstadt der „DDR“ zu machen, wird Pankow auf die Dauer nur dann widerstehen, wenn es mit einer neuen Luftbrücke oder andern wirkungsvollen Gegenmaßnahmen der Westmächte rechnen muß.

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Nach Peron kam Lonardi. – Ein neuer Stern ist am politischen Himmel Argentiniens aufgegangen: General Eduardo Lonordi, der Sieger des Aufstandes gegen Peron. Lonardi zwang auch die gleich nach Perons Sturz gebildete Militärjunta zum Rücktritt und übernahm das Präsidium der von ihm gebildeten provisorischen Regierung. Damit hat der argentinische Bürgerkrieg, der 1500 Tote und mehrere tausend Verwundete kostete, einen vorläufigen Abschluß gefunden. Peron wurde freies Geleit ins Exil nach Paraguay gewährt. Lonardi erklärte, seine Regierung werde nicht länger an der Macht bleiben, als „die Umstände es erfordern“.

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