In langwieriger Arbeit hat die Hohe Behörde einen Vergleich für die Realeinkommen der Bergleute und Stahlarbeiter in den Ländern der „Gemeinschaft“ durchgeführt. Die Sachverständigen, die länger als ein Jahr (!) an dieser Aufgabe mitgewirkt haben, waren sich von Anfang an darüber klar, daß es sehr schwierig sein würde, Lebenshaltung und Lebensniveau der einzelnen Länder in vergleichbaren Zahlen und Werten einander gegenüberzustellen. Vieles dabei ist ja Überhaupt nicht meßbar – vieles war kaum vergleichsfähig zu machen. Dennoch ging man an diese Aufgabe heran, um erstenmal gewisse Annäherungswerte zu erhalten, die für die Beurteilung der sozialen Lage der Montanarbeiterschaft von Bedeutung sein werden.

Die Hohe Behörde hat ihre Übersicht auf dem „Nettoeinkommen“ bestimmter Arbeitsgruppen basiert. Diese Arbeitsgruppen sind etwa: Bergarbeiter unter Tage –; in eigener Wohnung, verheiratet ohne Kinder – oder: verheiratet mit zwei Kindern usw. Das Nettoeinkommen ist berechnet aus den Zahlungen der Betriebe an die Arbeiter unter Abzug der Steuern und der Sozialversicherungsbeiträge, soweit sie auf die Arbeitnehmer entfallen, aber unter Hinzufügung der Familienbeihilfen und ähnlicher Zuwendungen, die der Staat oder die Firma geben.

Um weiterhin vergleichen zu können, wurde für die Nominaleinkommen in den einzelnen Landeswährungen eine sogenannte „Verbraucher-Geldparität“ errechnet, weil diese realistischer als die amtlichen Wechselkurse die „Kaufkraft“ der Währungen für den Bedarf des Arbeiterhaushalts ausdrückt. Diese Verbraucher-Geldparitäten fußen auf Preisen für 220 Artikel (in 2000 Läden), die notwendige Bedarfsgüter sind. Die hierbei gewonnenen Verbraucher-Geldparitäten wurden nun für die Umwandlung der Nominaleinkommen in Realeinkommen benutzt. Sie sind sozusagen ein monetärer Koeffizient, der den „französischen Warenkorb“ oder den „deutschen Warenkorb“ oder den „italienischen Warenkorb“ berücksichtigt.

Beim Vergleich der Kohlenarbeiterlöhne wurden sechs Länder, im Fall der Stahlindustrie sieben Länder miteinander verglichen. Eine Fülle von Statistiken fiel an und war zu bewältigen. Dabei konnten bisher erst die Daten aus 1953 verwandt werden, weil spätere Lohnzahlen und Preisübersichten vielfach noch nicht zur Verfügung standen. Auf einer Pressekonferenz erläuterte Dr. Wagenführ von der Hohen Behörde das umfangreiche Zahlenmaterial. Aus ihm geht hervor, daß die Lohnunterschiede zwischen einzelnen Wirtschaftsgruppen innerhalb der Länder vielfach größer sind, als es der Abstand der Reallöhne beim Vergleich der Mitgliedstaaten untereinander ist.

Bei der Kohle bezogen die Bergleute des Saarlandes das höchste Realeinkommen, dicht gefolgt von den Kumpels aus Belgien und den Niederlanden. Dann folgen die Bergarbeiter Frankreichs und Deutschlands, sowie schließlich diejenigen Sardiniens. Der Reallohn in Sardinien erreicht etwa 70 v. H. des Reallohnes an der Saar. Für Übertagearbeiter liegt Belgien an der Spitze.

In der Stahlindustrie führt der luxemburgische Arbeiter, gefolgt vom Belgier. Dann schließen sich ohne besondere Unterschiede die Stahlarbeiter der übrigen Länder an. Bemerkenswert sei, so war zu hören, der relativ starke Einfluß der staatlichen Familienbeihilfen in Frankreich und im Saarland, wo die Verheirateten mit zwei Kindern ein wesentlich höheres Realeinkommen als die Arbeiter ohne Kinder haben.

Es ist leider, des Umfanges wegen, nicht möglich, auch nur annähernd ausreichendes Zahlenmaterial zu diesen allgemeinen Feststellungen zu publizieren. Dennoch sollen einige Zahlen genannt werden, und zwar für den verheirateten Bergarbeiter ohne Kind und für den verheirateten Stahlarbeiter mit zwei Kindern. Auf DM umgerechnet und unter Berücksichtigung des Warenkorbes erhielt danach 1953 der kinderlos verheiratete Bergarbeiter bei uns ein Jahresnettoeinkommen von 4456 DM; der Belgier erhielt 5245, der Franzose 4458, der’Italiener 3544, der Niederländer 5252 und der Saarländer 5528 DM. Der verheiratete Stahlarbeiter mit zwei Kindern bezog 1953 (ebenfalls in D-Mark umgerechnet) in Deutschland 5300 DM, in Belgien 6210, in Frankreich 5467, in Italien 4619, in Luxemburg 7498, in Holland 4941 und im Saarland 4979 DM.