g. z., Dingelsdorf

In Deutschlands größtem Angora-Freigehege in Dingelsdorf am Bodensee atmet man in diesen Tagen auf. Die weißen „Wollbündel“ scheinen die Mixomatose, die schlimmste Kaninchenseuche, die je in Europa wütete, überwunden zu haben.

Das große Kaninchensterben begann 1952, nachdem der 80jährige französische Arzt Armand Delille auf seinem Landsitz bei Paris Wildkaninchen mit den gefürchteten Mixomatose-Bazillen geimpft hatte, um sein Grundstück „kaninchenfrei“ zu machen. Was er mit diesem Experiment anrichtete, hatte er nie vorausgesehen. Wenige Wochen später begann ein beispielloses Massensterben unter den Kaninchen Europas. Auch in der riesigen Freilandhaltung am Bodensee blieben von vielen hundert Tieren nur wenige am Leben. Zu Dutzenden wurden täglich die Tiere, Ergebnisse einer jahrelangen Züchtung, von der Seuche dahingerafft.

Jetzt, nach drei Jahren, sind Wissenschaftler und Zuchtverbände im Bundesgebiet zu der Überzeugung gekommen, daß unter das Kapitel „Der Kaninchentod geht um in Europa“ der Schlußstrich gezogen werden kann. Die deutschen Stallhasen zeigten sich „hart im Nehmen“ und waren stärker als die verheerende Krankheit. Es wurden bereits neue Wildkaninchenstämme festgestellt, die zweifellos eine Immunität gegen den Mixomatose-Virus entwickelt haben. Der bundesdeutsche Kaninchenbestand wurde zwar stark heimgesucht, aber die Tiere wurden nicht ausgerottet.