wo. da., Swinemünde

Im Ostseebad Swinemünde läßt die polnische Verwaltung gegenwärtig ein Wahrzeichen der Stadt, das Fontane-Haus, abreißen. Der Abbruch erfolgt im Zuge der städtischen Bauplanung, die zwischen dem ehemaligen Hauptzollamt am Dampfschifffahrts-Bollwerk und dem Kleinen Markt ein neues Aufmarschgelände vorsieht. Ursprünglich sollte auch die bekannte Christuskirche an der Kleinen Kirchstraße niedergelegt werden. Dieses teilzerstörte Gotteshaus war in der Nachkriegszeit unter schweren persönlichen Opfern der in Swinemünde zurückgebliebenen deutschen Restbevölkerung vor dem Verfall gerettet und neu gedeckt worden. Bei der zweiten Renovierung halfen auch polnische Gläubige. Sie waren es auch, die den Abriß wenigstens dieses Gebäudes verhinderten.

Der ob dieses Widerstandes aus den eigenen Reihen erbitterte polnische Stadt-Sowjet beschloß, das neue Aufmarschgelände erst gegenüber der Christuskirche beginnen zu lassen. Hier jedoch liegt an der Ecke Kleiner Markt/Kleine Kirchstraße das Fontane-Haus. In diesem Gebäude verbrachte der deutsche Dichter Fontane einige Jugendjahre; seine Eltern betrieben hier eine Apotheke. Nach 1945 wurde das leichtbeschädigte Haus von den Polen renoviert, die im Erdgeschoß eine Konsumfiliale einrichteten. Der Abriß wäre aus mancherlei Gründen zu vermeiden gewesen. Einmal gibt es in Swinemünde bereits drei polnische und zwei sowjetische Aufmarschplätze, und zum anderen hätte der hier vorgesehene neue Platz an anderer Stelle innerhalb von Trümmergrundstücken viel eher, ohne Abriß heiler Gebäude, geschaffen werden können.