ms., Bremen

Alfred Loritz, in den ersten turbulenten Nachkriegsjahren Sonderminister in Bayern, ist wieder aufgetaucht. Diesmal möchte er seiner Wirtschaftlichen Aufbau-Vereinigung, die nun als Deutsche Aufbau-Vereinigung firmiert, im kleinsten Land der Bundesrepublik, der Freien Hansestadt Bremen, einen Platz in der Bürgerschaft des Landes, die am 9. Oktober neugewählt wird, sichern. Doch nach einer Woche hektischen Trubels für Loritz steht fest: dieser Versuch ist schon gescheitert, bevor die Wähler sich entschieden haben. In Bremen wie in Bremerhaven wurden die von der DAV eingereichten Wahlvorschläge von den Prüfungsausschüssen zurückgewiesen, nachdem diese die Kriminalpolizei bemüht hatten. Das Ergebnis der Überprüfung: in Bremen wurden neunzig der 452 Unterzeichner des DAV-Wahlvorschlages befragt, ob sie wirklich unterschrieben hätten. Fünfzehn verneinten. Bei anderen Unterschriften stellte sich heraus, daß sie von Ehemännern widerrechtlich nicht nur für ihre Frauen, sondern auch gleich für alle anderen Haushaltmitglieder mit geleistet worden waren. Wieder andere Namen tauchten doppelt auf oder stammten von Minderjährigen. Einer unterzeichnete kurzerhand mit „Harry Piel“. Der Wahlbereichsausschuß konnte nicht umhin, festzustellen – nachdem von den 452 Unterschriften unter dem Bremer Wahlvorschlag 100 gestrichen worden waren und nur noch vierzehn mehr als die gesetzlich erforderlichen 338 blieben – daß der Verdacht sehr groß sei, auch mit den anderen, noch nicht überprüften Unterschriften stimme nicht alles. Vier Stunden dauerte diese Auseinandersetzung, in der Loritz nicht mit derben Flüchen und Andeutungen über eine „hinterhältige Denunzation“ sparte. In Bremerhaven kam der Wahlbereichsausschuß zu einem ähnlichen Ergebnis, wobei hier noch in Betracht gezogen wurde, daß von den 90 notwendigen Unterschriften viele nur zustande gekommen waren, weil Loritz den Unterschriftensammlern – Jugendlichen und Arbeitslosen – für jeden Namen eine Geldprämie gezahlt hatte. Abgesehen davon genießt der Name Loritz in Bremerhaven ohnehin seit dem 18. September keinen guten Klang mehr. An diesem Tage rasten er und das Bremer DAV-Mitglied Freese über die Bundesstraße 6 nach Bremerhaven, um dort noch rechtzeitig zum Abgeben des Wahlvorschlags einzutreffen. Loritz war neun Minuten vor Ablauf der Frist dort, Freese aber, der in einem zweiten Fahrzeug gefolgt war, lag um diese Zeit in einem Krankenwagen. Er hatte während der rasenden Fahrt beim Überholen einen entgegenkommenden Wagen gerammt. Das darin sitzende Ehepaar war sofort tot, ihre drei Kinder aber wurden ebenso wie Freese und seine Frau schwerverletzt.