L. S" Rio de Janeiro, Ende September i m 3. Oktober sollen mehr als zwölf Millionen Brasilianer einen neuen Präsidenten wählen, leichzeitig werden zwar auch verschiedene Staatsluverneure, Senatoren und Abgeordnete gewählt, i er entscheidend ist die Frage der Präsidentschaft, l nn in Brasilien herrscht ein den nordamerika "hen Verhältnissen ähnliches Präsidentiall stem, allerdings mit dem Unterschied, daß das Gegengewicht eines gut funktionierenden Parlaentarismus fehlt.

i Vier Männer bewerben sich um das höchste et usamt, von denen der ehemalige Führer der v histischen Griinhemden, Plinio Salgado, als s>" lenseiter angesehen wird; sogar ein Teil seiner r heren Anhänger lehnt ihn jetzt ab. Unter den v igen drei Bewerbern gibt es keinen klaren FaV riten, und es wird angenommen, daß keiner von en einen Vorsprung von einer Million Stim;n gegenüber seinen Mitbewerbern erringen "d.

Jer stärksten parteipolitischen Unterstützung rfreut sich der 54jährige Juscelino Kubitschek, der ich als Gouverneur des Staates Minas Gerais als ähiger Verwaltungsmann bewiesen hat. Hinter hm steht der Partido Social Democratico, die tärkste Partei Brasiliens, die übrigens keineswegs ine Arbeiterpartei ist, sondern erhebliche Unterjehmerinteressen vertritt. Bei der Aufstellung ler Kandidatur Kubitschek wurde vielfach die 5efürchtung laut, daß unter seinem Präsidium das rühere System mit seinen häufigen Korruptions Amtsenthebung des Präsidenten Vargas und dessen Freitod gipfelte. Kubitschek hat inzwischen Wahlbündnisse geschlossen. Zunächst hat er sich die "aterstützung der früher von Vargas geführten beiterpartei durch die Aufstellung ihres Vortzenden Joäo Goulart als Kandidaten für die "zepräsidentschaft gesichert. Tatsächlich ist Gout jedoch politisch recht belastet. Als Günstling i Vargas wurde er seinerzeit Arbeitsminister, wohl seine peronistischen Tendenzen und sein treten für die Schaffung einer syndikalistischen epublik nach argentinischem Muster bekannt varen. Als Minister hat er sich dann in krassen egensatz zum Unternehmertum gestellt und hließlich die Verdopplung der Mindestluhne und jehälter durchgesetzt, die eine enorme Beschleugung der Inflation und Vergrößerung der wirthaftlichen Schwierigkeiten zur Folge hatte. Goun hat schließlich unter dem Druck der Armee ücktreten müssen, und man hält esheute für nig wahrscheinlich, daß das Militär ihn ohne weiteres als Vizepräsidenten akzeptieren, würde. Diese Vermutungen haben sich verstärkt, nachdem ubitschek und Goulart die Unterstützung der illelen kommunistischen Partei angenommen haben, )bei man annimmt, daß Goulart die Verhandngen geführt habe.

Manche Wähler, die aus diesen Gründen nicht Kubitschek stimmen wollen, werden sich voraussichtlich für den früheren Gouverneur des Staates Säo Paulo, Adhemar de Barros, entscheiden. Er entstammt — wie übrigens auch Kubitschek —dem Arztberuf und ist, wie dieser, früh zur Politik übergegangen. Der 54jährige Barros wird vor vielen Geschäftsleuten bevorzugt, weil er besonderes Verständnis für wirtschaftliche Probleme bewiesen hat. Er ist verschiedentlich in Europa und den Vereinigten Staaten gewesen, hat gute Beziehungen zu ausländischen Finanzkreisen, und man hofft, daß er in der Lage sei, die brasilianische Wirtschaft anzukurbeln. Daß er während seiner Amtszeit sein früher schon ansehnliches Vermögen derartig vergrößert hat, daß er heute zu den reichsten Marinem Brasiliens gezählt wird, und daß gegen ihn eine Reihe von Strafprozessen wegen Amtsmißbrauchs laufen, wird in denjenigen Kreisen, die der Ansicht sind, daß Korruption in Lateinamerika unvermeidlich sei, nicht sehr schwer genommen. Oberdies_hat Barros es verstanden, auch einen Teil der Arbeiterstimmen für sich zu gewinnen. Ef wendet sich also vielfach an die gleichen Wähler wie Kubitsiek. General Juarez Tävora, ein alter Revolutionär und früherer Freund von Vargas, mit dem ei sich später überwarf, weil dieser der Korruption nicht Einhalt gebot, ist der Kandidat verschiedener kleinerer Parteien sowie der Uniao Democratica Nacional, der großen Oppositionspartei unter Vargas und Dutra. Er ist ein Mann, der sich besonders intensiv mit den fundamentalen Problemen Brasiliens beschäftigt hat und der eine militärische Institution leitete, in der versucht wurde, besonders befähigten Offizieren und Zivilisten die wichtigsten Fragen der Politik nahezubringen. Daß Tävora über große Kentnisse verfügt, steht außer Zweifel, daeen erscheinen manche der von ihm vorgeschlagenen Lösungen reichlich theoretisch. Seine Gegner haben eine gewisse Unduldsamkeit, die in seinen Wahlreden durchklang, zum Anlaß genommen, ihm Diktaturp elüste nachzusagen. Tatsächlich wirkt der General in seinen Erklärungen reinlich dogmatisch: er hat nicht die Wendigkeit seiner Mitbewerber. Unbestritten sind iedoch sein Idealismus unrl seine nersönliche Integrität.

Fines der hervorstechendsten Merkmale des Wahkaniüfes ist das geringe Interesse der breiten Massen. Das liegt größtenteils daran, daß es keinen wrkli hen Favoriten ° iht. Daneben dirfte es auch eine Rolle soielen, daß Unsicherheit dariier besteht, was nach den Wahlen geschehen vird. Wenn auch die Putscheriichte, die vorüberselend einen alarmierenden Umfang angenommen haten, verstummt sind, so bleibt die künftige Hakun? des Militärs eine offene Frage. Zwar haben die b asili?nischen Generale niemals große politische Ambitionen gehabt, aber sie haben doch gelegentlich, WIP zweimal unter Vargas, eingegriffen, um eine Diktatur zu beseitigen oder um die gefährdete Ordnung wiederherzustellen. Ob sie sirh desialb mit jedem Ergebnis der kommenden Wahler — etwa mit einer Vizepräsidentschaft Goularts — abfinden würden, ist mindestens zweifelhaft.