Unser Wissen um die künstlerischen Äußerungen Was wissen wir von Alt Peru und seiner Kultur? der Völker umspannt heute den ganzen Erd- Wir verbinden wohl mit ihm die Vorstellung vom Uumspannt heute den ganzen ball. Durch Schriften und Abbildungen sind uns die Kulturschöpfungen des Fernen Ostens, Ozeaniens, Afrikas und Amerikas fast ebenso nahegerückt wie diejenigen der eigenen Vergangenheit. Und doch bedarf es nach wie vor der Kenntnis der Originale, um den wahren Geist fremder Kulturen zu erfassen und um das zu erkennen, was sich hinter dem oft so Fremien und Ungewohnten zunächst verbirgt, nämlich Jie selbständige Äußerung künstlerischer Offenbarung. Das Kunstgutlager im Schloß der alten lerzogstadt Celle, gut gelegen zwischen Hamburg und Hannover und reich ausgestattet mit bedeutenden Kunstwerken aus Berliner und anderem mitteldeutschem Museumsbesitz, zeigt uns eine Schau peruanischer Keramik aus vorkolumbisch;r Zeit. Reich der Inka, jener Herrenkaste der QuechuaIndianer, deren gewaltiges, von Kolumbien bis Süd Chile ausgedehntes Reich von einer Handvoll Freibeutern unter ihrem Anführer Pizzarro 1532 erobert und unterworfen wurde. Doch die Inka waren keineswegs die einzigen Herren Perus; erst im 15. Jahrhundert gelangte ihr Reich zu voller Blüte, Aus alten spanischen Quellen wissen wir auch vom Volk der Chimu an der Nordküste und von anderen Stämmen. Doch die kostbarsten Entdeckungen und das Eindringen in frühere, reichere Kulturen brachte uns die Wissenschaft des Spatens. In zahlreichen Grabfunden förderte sie Gewebe und vor allem Tongefäße zutage, die sich um verschiedene Kulturzentren lokalisieren lassen. Da ist in erster Linie das auf großartiger Hochebene gelegene Ruinenfeld von Tiahuanaco in der Nähe des Titicaca Sees zu nennen, das einer frühen Gattung der Grabkeramik seinen Namen gegeben hat. Diese Hochlandkultur strahlte im Laufe ihrer Entwicklung in das Küstengebiet aus und fand dort eine umgeformte Nachfolge. Neben kleineren Zentren sind weiterhin vor allem die Orte Nazca an der südlichen, Moche an der nördlichen Küste zu nennen, nach denen wir die Keramik dieser Gegenden bezeichnen. Die Forschung ist hier noch völlig im Fluß, und zeitliche Angaben können nur mit allem Vorbehalt gemacht werden. Doch darf man heute annehmen, daß die soeben angedeutete kulturelle Entwicklung sich in den Jahrhunderten etwa seit Christi Geburt bis 1200 abgespielt hat. Was für eine Art von Keramik ist es, die diese Gräber bargen und die der uralten Übung früher Völker folgte, ihren Verstorbenen Speise und Trank mit auf den Weg ins Jenseits zu geben? Es sind nicht nur Töpfe, Schalen, Becher, Krüge und Vasen von der Schönheit einer schlichten Zweckmäßigkeit, bemalt mit der schreckenerregenden Gestalt der Sonnengottheit oder den kraftgeladenen Erscheinungen der heiligen Tiere Kondor und Puma im klassischen Tiahuanaco Stil. Zwei Elemente bestimmen die weitere Entwicklung entscheidend: i Süden die Farbe, im Norden die Plastik. In Nazc findet man auf den charakteristischen kugelig Bügelhenkel Gefäßen eine reiche Palette met roter und brauner, dunkel glühender Farben a hellem Fond. Plastische Ausgestaltung der Gefal ist hier selten. Die Farbe ist es, die den dämonisdi Schreckgestalten von maskenhaften Katzen, Raul vögeln und anderen Tieren ihre erschreckende un, bannende Wirkung verleiht. Doch es fehlt auu nicht die dekorativ gefällige Naturbeobachtün? die Fische, Vögel, Füchse, Gewächse treffend v? unsere Augen zu stellen weiß.

Ein ganz anderes Bild im Norden, in Moche. Auch hier Bügelhenkel Gefäße mit senkrechtem Ausguß, die uns eine reiche Szenerie von rituellen Szenen, Jagden, Tieren und sogar landschaftlichen Elementen vorführt. Doch dieser Stil ist ein Silhouetten Stil, der fast ausschließlich in Rotbraun auf heilem Grund zeichnet und erzählt und der nicht die malerische Pracht von Nazca besitzt. DaSchwergewicht von Moche liegt denn auch auf den figürlichen Gefäßen, die in überwältigender Fülle und reicher Phantasiekraft ein wahres Bilderbuch peruanischen Lebens und Strebens vor uns ausbreiten. Göttliche und dämonische Gestalten und der Kampf z wischen ihnen, Gerichtsszenen, Krankenheilungen usw beleben, plastisch in Ton ge formt, diese Gefäße. Ja, diese Gefäße werden selbst so sehr zur Plastik, daß ihr Gebrauchszweck di sem Ausdrucksverlangen gegenüber oft ganz den Hintergrund tritt. Dämonen, Tiere, Frücl, eine Mutter mit Kind, ein Fischer beim FsJ können lebendiger nicht erfaßt sein. Die Kn? dieser figürlichen Plastik sind jedoch zweifellos du Porträtvasen, die — fern der Porträtkunst de alten Kontinents — Meisterleistungen in der Erfassung des Menschen und seiner durchaus ein maligen Persönlichkeit darstellen. Hier mündet da exotische Element in die Bahn einer Menschlichkeit die zu jeder Zeit und an jedem Ort eines beglückten Verständnisses sicher ist.

1