Dem Wochenbericht über die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank AG, dem Nachfolgeinstitut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen,

Die seit einigen Wochen auf den Weltwarenmärkten bestehende Neigung zur Preisfestigung hat sich während der Berichtswoche vom 19. bis 24. 3. 1955 in verstärktem Umfang fortgesetzt. Da die Einfuhren der Industrieländer zu einem großen Teil aus Rohstoffen bestehen, ist hierdurch die Möglichkeit gegeben, daß deren Importpreise steigen, wodurch sich, falls ihre Exportpreise nicht in entsprechendem Umfange anziehen, die Terms of Trade der Industrieländer, d. h. das Verhältnis der Export- zu den Importpreisen, verschlechtern können.

Es ist auffällig, daß sich die Terms of Trade der USA seit 1938 laufen! verschlechtert haben, während diejenigen Kamdas im gleichen Zeitraum eine leichte Verbesserung aufweisen. Einen bemerkenswerten Anstieg weist das Verhältnis der Export- zu den Importpreisen Lateinamerikas und der „anderen Sterling-Länder“ auf. In der Verbesserung des Verhältnisses der Terms of Trade dieser Räume kommt der in der Nachkriegszeit–z. T. infolge Knappheit – stattgefundene Preisanstieg für Rohstoffe zum Ausdruck. Ähnlich wie bei dem typischen Industrieland USA hat eine Verschlechterung der Terms of Trade innerhalb der kontinentalen EZU, wie auch in der Bundesrepublik und Großbritannien statgefunden. In dieser langfristigen Entwicklung kommt zweifellos eine die Rohstoffländer begünstigende Tendenz zum Ausdruck.

Getreide: Auf den US-amerikanischen Getreidemärkten war währernd der Berichtswoche eine Anstiegstendenz zu verzeichnen. Sowohl in Chikago als auch in New York trat insbesondere bei Roggen and Hafer eine Preisfestigung ein. Desgleichen zogen die Mais- und Weizennotierungen, mit Ausnahme von Hartwinterweizen, in New York an. Auch an der Getreidebörse in Winnipeg war die Preistendenz während der Berichtswoche nach oben gerichtet. Anfang der Berichtswoche wurde die Nachfrage nach Futtergetreide sowie nach Schmalz und Pflanzenölen durch die Mitteilung ausgelöst, daß das US-Landwirtschaftsministerium Maßnahmen zur Besserung des Preisniveaus für Lebendschweine treffen wolle. – Hinsichtlich der bevorstehenden Verhandlungen über ein neues internationales Weizenabkommen verlautet aus Kanada, daß es bei dem Zustandekommen eines neuen Abkommens zu Preiskonzessionen bereit wäre, was bedeuten würde, daß das zweitgrößte Exportland im Rahmen des IWA den Wünschen der Importländer entgegenkäme. Durch Preiskonzessionen hofft man, den Absatz im Rahmen des IWA zu fördern und die großen Vorräte abzubauen. Auch will Kanada mit Vertretern der US-Regierung das US-Programm für den Export von überschüssigem Weizen diskutieren, um eine Beschränkung zu erreichen, da der kanadische Weizenabsatz durch das US-Progranm gefährdet würde.

N E – Metalle: An der Londoner NE-Metallbörse war die Preisentwicklung von Kupfer verhältnismäßig starken Schwankungen ausgesetzt. Mit Ausnahme von Zinn neigten die Preise der NE-Metalle zur Schwäche. In den USA festigten sich die Zinn-Notierungen gleichfalls, und zum Wochenschluß wurde die Bleinotierung der Saint Joseph Lead Company von bisher 15,00 c’lb auf 15,50 c’lb heraufgesetzt, während die restlichen Produzenten bisher noch bei dem Preis von 15,00 c’lb blieben.

Kupfer: Auf dem New Yorker Markt scheint sich langsam eine gewisse Entspannung der Versorgungslage abzuzeichnen, auch wenn im allgemeinen nicht mehr damit gerechnet wird, daß eine Freigabe von 100 000 t Chilekupfer aus der strategischen Reserve erfolgt. In London ermäßigte sich des Preisniveau. Auf Grund von Meldungen über einen Streik im chilenischen Kupferbergbau zogen die Notierungen vorübergehend an. In großen und ganzen war der Markt nervös.

Wolle: Obwohl die anziehende Tendenz der Rohwollpreise an den Ursprungsmärkten gegen Wochenende auch am Londoner Wollterminmarkt eine Preisbesserung hervorrief, lag der Durchschnittspreis der Berichtswoche erneut unter demjenigen der Vorwoche. – Im bisherigen Verlauf der Saison sind, wie bereits im Vorjahr, die Preise für Merinowolle etwas stärker gefallen als diejenigen für Kreuzzuchtwollen. Im Gegensatz zum Vorjahr zeigten allerdings die besseren Qualitäten einen größeren Preiswiderstand und waren lebhafter gefragt. Für die weitere Preisentwicklung wird es von Bedeutung sein, ob in den Herbstmonaten eine wesentliche Nachfragebelebung eintritt und ob die UdSSR als Käufer auf dem Markt auftreten werden. Wenn auch der Weltüberschuß in diesem Jahr voraussichtlich nur sehr gering sein wird, so dürfte doch die Freigabe von Vorräten der Commidity Credit Corporation in den USA und eine eventuelle bessere Versorgung seitens Uruguays infolge von Änderungen der Devisenbestimmungen zu stärkeren Preisschwankungen führen, falls der Weltverbrauch keine wesentliche Ausweitung erfährt.