Wo gibt es noch Reserven am Arbeitsmarkt? Diese Frage ist in letzter Zeit dringlich geworden. Da rund 35 000 arbeitslose Frauen mehr vorhanden sind als Männer, ist die Chance, bei Bedarf weibliche Arbeitskräfte zugewiesen zu bekommen, immer noch verhältnismäßig groß. Freilich sind gerade unter den erwerbslos gemeldeten Frauen viele „unechte Arbeitslose“ vorhanden, wie nun auch die Bundesanstalt zugibt:

„Unter den als arbeitslos gemeldeten Frauen befinden sich auch Unterstützte, die erst bei einem Arbeitsangebot, dem sie nicht mehr ausweichen können, erkennen lassen, daß sie in Wirklichkeit gar nicht vermittelt werden wollen. Solche Personen scheiden in letzter Zeit zunehmend aus der Gruppe der Arbeitslosen freiwillig aus.“

Nun – ob das „freiwillig“ geschieht oder nicht, darüber ließe sich ja wohl streiten. Die Formulierung ist jedoch weniger wichtig als die Tatsache, daß es jetzt endlich zu einer „Bereinigung“ der Erwerbslosenzahlen kommt: durch Ausschalten der „falschen Arbeitslosigkeit“, deren Existenz gerade von der Nürnberger Bundesanstalt so lange bestritten worden ist. Während so die „sichtbare Reserve“ auf ihre reale Höhe reduziert wird, gewinnen die „unsichtbaren Reserven“ erhöhte Bedeutung – darunter auch die Gruppe der arbeitsbehinderten und deshalb nur bedingt arbeitsverwendbaren Männer und Frauen, die zumeist eine Invaliditätsrente beziehen, und die sich zumeist nicht als arbeitssuchend gemeldet haben. So erfreulich es ist, daß sich auch ihnen wieder Verdienstmöglichkeiten eröffnen und daß sie damit einen Teil ihres Lebensunterhaltes „in Selbsthilfe“ erwerben können, so schwer wird ihnen die Wiedereingliederung in das Berufsleben vielfach durch den falschen Eifer von Fürsorgern und Fürsorgerinnen gemacht. „Sie dürfen nicht arbeiten!“– so wird nicht nur den Fürsorgeempfängern, sondern auch den Beziehern von Invalidenrenten immer wieder gepredigt... Das ist (natürlich) grundfalsch.Richtig wäre der Hinweis: „Wenn Sie arbeiten und somit selber verdienen, ist das sehr erfreulich; freilich müssen wir dann die Fürsorgeunterstützung entsprechend kürzen“ (oder auch: sie ganz einstellen). Das klingt ganz anders als’dastörichte Verbot: „Sie dürfen nicht arbeiten!“ G. K.