Daß eine Firma von Weltruf ihr 75jähriges Jubiläum feiert, ist kein allzu seltenes Ereignis. Dennoch ist die C Lorenz AG, die am 1. Oktober 75 Jahre bestand, ein Veteran auf ihrem Tätigkeitsgebiet, der Nachrichtentechnik, und dabei heute noch wie schon vor 75 Jahren ein Pionier. 1880 hatte der Mechaniker Carl Lorenz aus Hannover die Telegraphenbauanstalt, Fabrik für elektrisches Licht, elektrische Eisenbahnen und Industrie“ in Berlin gegründet. Dreißig Mitarbeiter hatte er damals. freute sind es fast 8000, die in den Werken Berlin, Stuttgart, Eßlingen, Landshut und Pforzheim der heutigen AG sowie der Tochtergesellschaft Schaub-Apparatebau (ebenfalls Pforzheim) beschäftigt werden.

Besondere Verdienste hat sich Lorenz um die Entwicklung der Telegraphen- und Funktechnik gemacht. Die Fernsehbrücke Frankfurt–Stuttgart–Wendelstein, eine Reihe von UKW-Sendern und anderer Einrichtungen des Fernsehbetriebs sind von Lorenz gebaut worden. Daß der Anschluß an das internationale Niveau der technisch-wissenschaftlichen Entwicklung auch auf Gebieten erreicht worden ist, auf denen uns für lange Jahre die Mitarbeit verboten war, beweist ein Exportauftrag aus den USA, der den Aufbau einer Flugsicherungseinrichtung für die Strecke Griechenland–Thailand umfaßt. In allen Produktionszweigen der Gesellschaft, neben den bereits genannten vor allem der Bau von Fernschreibern, Elektronenrohren, elektromedizinischen Geräten, Industriegeneratoren und verwandten Erzeugnissen, ist der Umsatz beträchtlich gestiegen. Insgesamt liegt er jetzt etwa 40 v. H. über dem Vorjahr, das einen Zuwachs von 12 v. H. gebracht hatte. Der Exportanteil macht insgesamt 18 v. H., im Rundfunk- und Fernsehgeschäft sogar 35 v. H. aus.

So erfreulich diese Erfolge sind, so haben sie doch noch längst nicht die Kriegs- und Demontageverluste wettmachen können. Das Werk Berlin-Tempelhof am Teltower Kanal hatte zuletzt 23 000 Beschäftigte. Besondere Sorge bereitet der Geschäftsleitung, daß die Forderungen gegen das Reich im Betrag von 75 Mill. RM untergegangen sind, während die zur Finanzierung dieser Reichsaufträge aufgenommenen Bankkredite von rund 70 Mill. RM 10 : 1 auf DM umgestellt wurden, wozu noch inzwischen aufgelaufene Zinsen kommen. Verhandlungen zur Konsolidierung sind eingeleitet, wobei die Hauptverwaltung der Gesellschaft, deren Sitz seit 1945 Stuttgart ist, auf die Hilfe des Hauptaktionärs, der International Telephone und Telegraph Corporation, New York, rechnen kann. Bei der zu erwartenden Kapitalerhöhung wird ITT wahrscheinlich einen erheblichen Teil der neuen Aktien – wie seinerzeit bei der Standard-Elektrizitäts AG, Stuttgart – gegen Zahlung in Dollar übernehmen. K.