An den westdeutschen Börsen haben sich die Märkte für festverzinsliche Wertpapiere wieder beruhigt. Ursache dieser erfreulichen Entwicklung war eine Erklärung des Zentralbankrates. In ihr heißt es, daß auf eine Fortsetzung der restriktiven Kreditpolitik zunächst verzichtet werden soll. Damit wird offensichtlich der Überzeugung Ausdruck gegeben, für den hier und da vorhandenen „Überdruck“ auch andere wirksame Ventile zu finden.

Der Frankfurter Automobil-Salon–er schloß am vergangenen Sonntag nach zehntägiger Dauer – übertraf mit seinen 750 000 Besuchern und den ungewöhnlich hohen Verkaufserfolgen selbst jede optimistische Prognose. Allerdings ist der Wunsch des Bundeswirtschaftsministers, der bisherigen Preis- und Finanzierungspolitik eine Revision folgen zu lassen, bei den Automobilproduzenten auf taube Ohren gestoßen. Lediglich die Bremer Lloyd-Werke und das Regensburger Messerschmitt-Werk haben während der Internationalen Automobilausstellung Preisermäßigungen bekanntgegeben.

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Westberlins Hausfrauen protestierten mit Nachdruck gegen die auch in Berlin überhöhten Fleisch- und Wurstwarenpreise. Sie inszenierten über die Hausfrauenverbände und die in Westberlin bestehenden „Nachbarschaften“ einen Käuferinnenstreik, der die Verkäuferinnen in den Fleischereiläden für drei Tage arbeitslos machte. Erstaunt stellte ein Sprecher der Fleischerinnung fest, daß die Beteiligung an diesem Käuferinnenstreik weitaus höher war, als man erwartet habe. Den Nutzen aus dem schlechten Geschäft der Fleischerläden zogen die Fischhändler: sie wurden ihre Ware reißend los. Sehr zu Unrecht übrigens, denn die hohen Fischpreise hätten in Westberlin wie in der Bundesrepublik schon längst zu einem nachhaltigen Käuferinnenstreik führen sollen.