st, Kiel

Die seit Jahrzehnten dauernde Abwanderung des weißen Storches aus Deutschland ist schon lange Gegenstand der Diskussion der Biologen und Heimatfreunde. Klimaschwankungen, die Heuschreckenvergiftungen im Storchenwinterquartier Afrika und eine allgemeine Abwanderung der Störche aus dem überkultivierten Westeuropa nach Osten wurden für diese laufende Bestandsminderung und den drohenden Verlust eines „Charaktervogels“ der deutschen Landschaft verantwortlich gemacht. Tatsächlich sind aus einigen stark „kultivierten“ Ländern Westeuropas, wie die Schweiz und England, die letzten Störche verschwunden.

Die Naturschutzbehörden in Schleswig-Holstein führen derzeit einen „Storchenappell“ durch, an dem sich nicht nur freiwillige Helfer, sondern auch Kreisbehörden beteiligen. Hier in Schleswig-Holstein existiert auch die älteste „Storchenstatistik“ Deutschlands. Schon 1909 wurde zum erstenmal gezählt. Damals fand man einen Bestand von etwa 3700 Paaren. Schon um 1930 hatte sich dieser Bestand auf rund 1000 Paare vermindert, ohne daß sich diese Abnahme irgendwie deuten ließ. Doch nach 1930 stiegen die Bestände ebenso rasch an. um 1939 zählte man bereits wieder gegen 2000 Paare im Land. Dann wurden die Störche wieder weniger, bis im Jahr 1951 die niedrigste Zahl der schleswig-holsteinischen Storchenhistorie mit 841 Paaren erreicht war. Schließlich unterblieb für mehrere Jahre der Storchenappell. 1954 zeigte sich zu aller Überraschung, daß sich die Zahl der Paare wieder auf über 850 vermehrt hatte, die zusammen 1890 lebende Junge in die Welt setzten. Die ersten Zählungen im Jahre 1955 zeigen, daß sich die Störche weiter vermehrt haben. Auch aus anderen Gegenden Norddeutschlands kommen ähnliche erfreuliche Meldungen.