Honorarium“ bedeutet Ehrengeschenk. In dem Wort lebt noch die Vorstellung, daß eine geistige Leistung nicht in Geld ausgedrückt werden kann. Der Sänger, der sich in Goethes gleichnamigem Gedicht „den besten Becher Weins in purem Golde reichen“ läßt, will nicht des Goldes, sondern höchster Ehrung teilhaft werden. Künstler, Dichter und Gelehrte des Mittelalters wiesen „Bezahlung“ für ihr Schaffen weit von sich; doch durften sie ein „Ehrengeschenk“ erwarten.

Erst im 16. Jahrhundert kam das Verfasserhonorar auf. Im Laufe der Zeit hat es sich zu einer „Geschäftsbedingung“ zwischen Autor und Verleger herausgebildet. Luther hat, obschon er einer der meist gedruckten Autoren seiner Zeit war, noch keinen Pfennig Honorar bezogen. Goethe hingegen, zwei Jahrhunderte später, erwies sich als äußerst geschäftstüchtig, doch erscheinen seine schriftstellerischen Einnahme in maßvollen Grenzen gegenüber den Honoraren mancher heutiger Autoren, wie zum Beispiel Churchill, dessen „Kriegsmemoiren“ ihm allein in USA 750 000 Dollar einbrachten.

Es ist reizvoll, dieser kulturgeschichtlichen Entwicklung, die auch auf das Gebiet der Wirtschaftsgeschichte übergreift, nachzuspüren. Dem leider vor einigen Monaten verstorbene Wiener Sammler, Buchhändler, Verleger und Antiquar Walter Krieg sind die

„Materialien zu einer Entwicklungsgeschichte des Autorenhonorars und der Bücherpreise“

zu danken, die als stattlicher Band im Herbert Stubenrauch-Verlag, Wien I – Bad Bocklet – Zürich erschienen sind. Die vorsichtige Formulierung des Titels scheint zu sagen, daß eine derartige Entwicklungsgeschichte noch nicht geschrieben wurde und vielleicht auch niemals geschrieben werden wird. Mit Sorgfalt hat der Verfasser in mehr als dreißig Jahren seiner Berufstätigkeit eine Fülle von Dokumenten, Berichten und Anekdoten zusammengetragen, die sich auf den Begriff Honorar beziehen.

Danach gab es schon frühzeitig, bei den Drucker-Verlegern des Mittelalters, „Herausgeber- und Bearbeiter-Honorare“. Die Tätigkeit als Textrevisor und -korrektor war damals sehr begehrt; namhafte Humanisten wie Reuchlin, Sebastian Brant und Erasmus von Rotterdam haben sie gegen Honorar ausgeübt. Allerdings waren die Drucker, selbst gelehrte Leute, auch ihre Offizin kein Druckereibetrieb im heutigen Sinne, sondern eher die Gemeinschaftsarbeit einer gelehrten Akademie, denn schon die Setzer und Gesellen waren meist ehemalige Studenten, Akademiker, die kein Amt bekommen hatten. Die Korrektur wurde zur kritischen Edition erhoben durch die Humanisten; diese suchten oft bei den Druckern ihren Lebensunterhalt, weil sie bei dem geistigen Umbruch, den der Ansturm gegen die alte Wissenschaft zur Folge hatte, vielfach wirtschaftlicher Sicherung entbehrten. Noch heute ist das Herausgeber- und Bearbeiterhonorar als sicherer Anspruch gegenüber dem des Autors sehr beliebt.

Die Verfasserhonorare waren anfangs sehr gering. So hat der arme Gellert für seine weltberühmten Fabeln zeitlebens nur 20 Reichstaler 16 Groschen erhalten, was am Geldwert 1914 gemessen etwa 240 Mark bedeutet. Auch entbehrt es nicht des Humors, daß Immanuel Kant von seinem Verleger Hartknoch in Riga 1781 für die „Kritik der reinen Vernunft“ 220 Taler, aber sieben Jahre später für die „Kritik der praktischen Vernunft“ mehr als das Dreifache, nämlich 700 Taler bekam, wohinzu er sich „diesmal außerdem sechzehn Göttinger Würste und 2 Pfund Schnupftabak“ ausbedungen hatte.