s. n., Hannover

Seit 22 Jahren klagt der im Jahre 1933 unschuldig zum Tode verurteilte Staatsbürger Richard Trampenau gegen den Staat. Erst im Jahre 1948 erhielt er die Freiheit wieder. Seine Schadenersatzansprüche wurden bis heute nicht anerkannt.

Am 28. August 1933, morgens 6 Uhr, sollte der damalige Tischlergeselle Richard Trampenau aus Harburg-Wilhelmsburg nach dem Urteil des Sondergerichts in Hannover hingerichtet werden. Am Vorabend, um 19 Uhr, hatten ihn zwei Wachtmänner in Ketten nochmals vor den Richter gebracht. Um 20 Uhr stellte er Antrag auf Wiederaufnahme seines Verfahrens. Um 2.30 Uhr nachts erhielt er den ablehnenden Bescheid des Sondergerichts Hannover, das ihn wegen Landfriedensbruchs und versuchten Mordes zum Tode verurteilt hatte. Er legte sofort – ohne die Hilfe seines Offizialverteidigers, des Rechtsanwalts Dr. Woermer, in Anspruch nehmen zu können – Beschwerde beim Oberlandesgericht in Celle ein. Es war 5.50 Uhr, als mitgeteilt wurde, daß die Beschwerde angenommen und die Hinrichtung aufgeschoben sei.

Der 22jährige Tischlergeselle war am Abenc des 30. Januar 1933 in der Wohnung von antifaschistischen Freunden in Harburg gewesen. Als draußen zwei Schüsse fielen, war Trampenau hinausgestürzt. Man fand zwei Stahlhelmleute, die angeschossen waren. Vom Täter keine Spur. Am nächsten Tag wurden umfangreiche Verhaftungen von Antifaschisten in Harburg-Wilhelmsburg vorgenommen. Auch Trampenau wurde verhaftet, ohne Angabe eines Grundes. Vor dem Sondergericht des Landgerichts Hannover sagten sieben Stahlhelmleute aus. Einer von ihnen, Bernda, wollte Trampenau als Täter erkannt haben. Er sagte: „Die Größe könnte stimmen!“ Der Zeuge Dietrichkeit, ein Antifaschist, der bekundete, daß der Täter aus einer ganz anderen Ecke der Straße plötzlich herausgekommen sei, wurde wegen Verdachts der Begünstigung in Untersuchungshaft genommen. Der Staatsanwalt sagte in der Beweisaufnahme: „Was brauchen wir weitere Beweise, der Angeklagte ist Antifaschist!“ (Bekundung von Trampenau.) Noch am gleichen Tage wurde das Todesurteil gesprochen. Am 24. August erfolgte der Abtransport zum Gerichtsgefängnis nach Hannover zur Hinrichtung durch das Fallbeil.

Obwohl das Oberlandesgericht in Celle die Beschwerde des Todeskandidaten in letzter Minute angenommen hatte, wurde ein neues Wiederaufnahmeverfahren am 11. November 1933 abgelehnt, ebenso die Beschwerde gegen die Ablehnung. Am 9. Januar meldete sich der wirkliche Täter, Rybarczek, aus Rußland. Neue Wiederaufnahmeanträge und Beschwerden im Jahr 1934 wurden abgelehnt. Auf ein Gnadengesuch vom 23. 7. 1934 wurde Trampenau ohne Angabe von Gründen zu „lebenslänglich Zuchthaus begnadigt“. Karl Richard Trampenau kam am 2. August 1934 ins Zuchthaus Celle. In einer Arrestzelle wurde er zum Empfang zusammengeschlagen. Er saß in diesem Zuchthaus bis zum Abtransport kurz vor Kriegsende nach Wolfenbüttel. „Dann kamen die Amerikaner“, berichtet Trampenau, „und wir sind ausgebrochen und waren frei.“

Am 5. November 1948 sprach das Schwurgericht in Hannover unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Katz den schon in Freiheit befindlichen, inzwischen Bauführer gewordenen Karl Richard Trampenau aus Harburg-Wilhelmsburg, frei. Das Urteil des Sondergerichts vom 28. Juli 1933 wurde aufgehoben. Die Kosten des Verfahrens und die dem Angeklagten erwachsenen Auslagen wurden der Staatskasse auferlegt. In einem weiteren Beschluß des Schwurgerichts vom 5. November 1948 heißt es: „... hat der freigesprochene Angeklagte gemäß §§ 1 und 4 des Gesetzes betreffend die Entschädigung der im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochenen Personen vom 20. Mai 1898 Anspruch auf Entschädigung aus der Staatskasse, gez. Katz, Hasse, Bleinroth.“

Am 22. August 1949 erhielt Richard Trampenau vom niedersächsischen Minister der Justiz unter Akt. Zehn. 4221 E III 2a 1378/49 auf Grund des obengenannten Beschlusses und „zum Ausgleich des durch die Strafvollstreckung erlittenen Vermögensschadens eine Entschädigung von 6 209,54 DM“. Es heißt weiter: „Die Entschädigung errechnet sich wie folgt: