Konferenz der Außenminister: Die Außenminister Englands, Frankreichs und der Vereinigten Staaten bekräftigten in New York, daß sie Bonn als die einzige deutsche Regierung betrachten, die in internationalen Fragen für ganz Deutschland zu sprechen berechtigt ist. Weder das Regime in Pankow noch die Existenz eines ostdeutschen Staates werde von ihnen anerkannt. Die deutschen Grenzen könnten erst im Friedensvertrag festgelegt werden. Dies ist die Antwort auf das Moskauer Abkommen vom 20. September, das der Sowjetzone die „Souveränität“ verlieh. In Vorbereitung der kommenden Konferenz in Genf betonten die Außenminister weiter, der deutschen Wiedervereinigung komme Priorität gegenüber dem Plan für die europäische Sicherheit zu. Edens Vorschlag einer entmilitarisierten Zone dies- und jenseits des Eisernen Vorhangs wurde fallengelassen. Statt dessen werden die Westmächte in Genf voraussichtlich den amerikanischen Plan eines Sicherheitspaktes vorlegen, der West- und Ost-NATO überdachen und Zug um Zug mit der Wiedervereinigung in Kraft treten soll.

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Präsident Eisenhower: Eisenhowers Erkrankung an einer Herzthrombose führte, obwohl eine Vertretung des Präsidenten in der Verfassung nicht vorgesehen ist, zu keiner ernsten Störung der Regierungsgeschäfte, da er gewohnt war, seinen Mitarbeitern weitgehende Verantwortung zu delegieren. Ein informeller Kabinettsausschuß der wichtigsten Minister unter dem Vorsitz von Vizepräsident Nixon soll die Leitung übernehmen. Sicher scheint jedoch, daß mit einer Kandidatur Eisenhowers bei den Präsidentschaftswahlen 1956 nicht mehr zu rechnen ist. Damit verlieren die Republikaner die einzige Persönlichkeit, die ihnen einen Wahlsieg verbürgen könnte..

Bremsen für die Überkonjunktur: Bundeskanzler Adenauer hat die Bundesminister Erhard und Schäffer und den Präsidenten des Bundesverbandes der deutschen Industrie, Fritz Berg, um Denkschriften über die Möglichkeiten ersucht, die überhitzte Konjunktur wirksam zu bremsen. Adenauer ist beunruhigt, weil weder die Steuersenkung vom Jahresanfang, noch die Steigerung der Produktivität, noch die volle Ausnutzung der Wirtschaftskapazität zu Preissenkungen geführt haben. Er beabsichtigt, am 14. Oktober mit dem Wirtschaftskabinett und einem Kreis wirtschaftspolitischer Fachleute, die Maßnahmen zu klären, die gegen die Gefahr der Überinvestitionen und der Preiserhöhungen zu treffen sind.

Atomminister Strauß: Bundesminister für Sonderaufgaben Franz-Josef Strauß wurde von Dr. Adenauer als „Beauftragter der Bundesregierung für Atomfragen“ vorgesehen. Mit dem neuen Ministerium soll ein Sitz im künftigen Verteidigungsrat verbunden sein, in dem Strauß wahrscheinlich einer der stellvertretenden Vorsitzenden werden wird. Er nahm bereits an Besprechungen mit dem Leiter der britischen Atomenergiebehörde, Sir John Cockroft, teil.

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Algerien und Marokko: Die UNO-Vollversammlung hat mit einer Stimme Mehrheit den Algerien-Konflikt trotz französischen Protestes auf die Tagesordnung gesetzt. Das ist für Frankreich um so schwerwiegender als es die vier algerischen Departements als Teil des Mutterlandes und die Probleme dort als innerpolitische Angelegenheiten betrachtet, für die die Vereinten Nationen ihrer Satzung nach nicht zuständig sind. Außenminister Pinay kehrte sofort mit der gesamten französischen Delegation nach Paris zurück. Ministerpräsident Faure veranlagte einen Beschluß des Kabinetts, Frankreich werden den Sitzungen der Vollversammlung in Zukunft fernbleiben. Da auch die Ostblockstaaten für die Debatte stimmten, wurde der geplante französische Besuch in Moskau verschoben. Diese scharfe Haltung stärkt die Regierung in der Kammer, und das hat sie dringend nötig, da auch in Marokko eine befriedigende Lösung noch aussteht. Sultan Ben Arafa ging zwar ins Exil, übertrug aber seine Vollmachten seinem Vetter Abdel Hafid, während Faure den marockanischen Nationalisten die Einsetzung eines Thronrats zugesagt hat. Es kam sogleich zu schweren Kämpfen, vor allem in den Gebieten der Berber und Rifkabylen.