Auch die Abschlüsse der industriellen Aktiengesellschaften für das vergangene Geschäftsjahr haben eine Steigerung der Dividendensätze gebracht. Das Tempo des Anstiegs hat sich gegenüber dem Vorjahre aber erheblich verlangsamt. Dies kommt nicht nur darin zum Ausdruck, daß der prozentuale Anteil der Gesellschaften mit Dividendenbesserungen an der Gesamtzahl der Abschlüsse geringer geworden ist. Die Verbesserungen erstrecken sich auch in weit stärkerem Maße auf die niedrigeren Dividendensätze. Erhöhungen über 10 v. H. hinaus spielen eine erheblich geringere Rolle als im Vorjahr. Jetzt wird noch deutlicher, daß die Gewinnzahlen der Adam Opel AG nicht verallgemeinert werden dürfen. Hier liegt ein Sonderfall vor. Die gehorteten Gewinne aus Jahrzehnten werden in Aktienkapital umgewandelt. Allein die Zinserträge machten bei Opel etwa 6,5 v. H. des Grundkapitals aus. Bei keinem anderen westdeutschen Unternehmen dürften auch nur ähnliche Voraussetzungen vorliegen. Im Gegenteil. Es gibt Gesellschaften, die ihre vorjährigen Dividendensätze, soweit sie über 10 v. H. hinausgingen, wieder herabgesetzt haben, woraus hervorgeht, daß die damaligen Sätze als eine nachträgliche Entschädigung für die dividendenlosen Jahre gedacht waren. Auch für 1954 schütteten einige Gesellschaften höhere Dividenden mit der ausdrücklichen Begründung aus, daß hier eine Nachvergütung für die Dividendenlosigkeit der ersten Nachkriegsjahre geleistet werden soll. Bisher haben etwa 1200 Gesellschaften ihre Abschlüsse für 1954 veröffentlicht, d. h. etwa zwei Drittel aller Unternehmungen. Es läßt sich also bereits ein Bild über die Dividendenentwicklung gewinnen, wobei man freilich berücksichtigen muß, daß bei den noch ausstehenden Gesellschaften der Anteil der Dividendenlosigkeit erheblich größer sein wird als bei dem bereits erfaßten Ausschnitt. Leider sind in den letzten Jahren Ertragsverschlechterungen meistens der Anlaß dafür gewesen, die vorgeschriebenen Bilanzveröffentlichungen über die gesetzlichen Termine hinauszuziehen. Hierdurch wird das Ertragsbild der deutschen Wirtschaft optisch im günstigen Sinne verfälscht.

Ein besonderes Kennzeichen der Ertragsgestaltung in 1954 ist die Tatsache, daß diejenigen Industriezweige, die dem Verbraucher am nächsten liegen, im Ertrag sehr ungünstig abschließen. Die steigende Kaufkraft hat zu höheren Umsätzen geführt, aber der Wettbewerb auf den Konsummärkten ist nach wie vor sehr scharf geblieben und übt einen kräftigen Preisdruck aus. Diese Tatsache verdient im gegenwärtigen Augenblick besondere Beachtung, da Lohnforderungen nicht zuletzt auch mit Preissteigerungen begründet werden. Man muß nämlich feststellen, daß gerade diejenigen Industriezweige, die auf den Massenkonsum abgestellt sind, offensichtlich die geringste Ertragskraft haben. Je weiter die Produktion dieser Verbrauchsgüterindustrien allerdings zum gehobenen Bedarf geht, um so besser wird die Ertragsgestaltung. Auch hierin ist wieder ein Beweis dafür zu sehen, daß die wachsende Kaufkraft in den letzten Jahren weniger dem lebensnotwendigen Bedarf zuwanderte, als den gehobenen Verbrauchsgütern. Je weiter sich die Produktion von dem täglich umkämpften Verbrauchermarkt entfernt, um so mehr steigt die Ertragskraft. Die besten Erträge finden wir in den Investitionsgüterindustrien, besonders dort, wo die Investition fast identisch mit cem gehobenen Verbrauchsgut ist; also in der Kraftfahrzeugindustrie.

In der Bauindustrie haben fast alle bisherigen Abschlüsse eine Erhöhung des Dividendensatzes um 1 bis 2 v. H. gebracht, jedoch stehen gerade hier noch viele Abschlüsse aus, die im Vorjahre dividendenlos waren. Das Schwergewicht der Zahlungen liegt bei 6 bis 8 v. H. Auch in der Zementindustrie sind durchweg einprozentige Erhöhungen zu verzeichnen, wodurch die Sätze überwiegend auf 8 bis 10 v. H. gesteigert wurden. In der sonstigen Baustoffindustrie waren die Besserungen seltener, und die Zahlungen liegen hier weit verstreut zwischen 4 bis 10 v. H. Von den Grundstoffindustrien ist sowohl die Eisenindustrie als auch der Bergbau zu besseren Dividendensätzen gekommen, die im allgemeinen zwischen 4 bis 6 v. H. liegen. Immerhin hat hier noch eine beachtliche Anzahl von Unternehmen dividendenlose Abschlüsse vorlegen müssen. In der Metallerzeugung liegen demgegenüber die Dividendensätze mit 7 bis 10 v. H. höher. Die Metallhalbzeugindustrie aber läßt wieder ein Nachhinken erkennen und legt zum beachtlichen Teil dividendenlose Abschlüsse vor.

Dividendenbesserungen auf sehr breiter Basis hat ebenfalls die chemische Industrie gebracht. Über die Hälfte aller Gesellschaften konnte den Dividendensatz erhöhen, wobei insbesondere die bisher zurückgebliebenen Gesellschaften vertreten sind. Die Ausschüttungen liegen zwischen 4 bis 10 v. H., in einzelnen Fällen auch etwas darüber. Die Verbrauchsgüterindustrien gen auf breiter Front unter dem Wettbewerbsdruck auf die Preise besonders für Massenverbrauchsgüter. Die wenigen Dividenden Verbesserungen in der Textilindustrie ergaben sich fast ausschließlich bei den Spinnereien, während die übergeordneten Produktionsstufen unveränderte oder gar rückläufige Dividenden haben. Auch die Leder- und Schuhindustrie hat überwiegend rückläufigeDividenden. Lediglich die Porzellan- und Glasindustrie zeigt Besserungen. In der Ernährungsindustrie sind die Sätze der Brauereien und der Zuckerindustrie (mit landschaftlichen Unterschieden) kräftig verbessert, aber trotzdem noch bescheiden. Die Mühlenindustrie zeigt leicht rückläufige Sätze, während die Mälzerei, die Schaumweinindustrie und die Spirituosenindustrie aufbauen konnten. Von den Versorgungsindustrien konnten die Elektrizitätswerke überwiegend die Dividenden verbessern und durchweg 5 bis 8 v.H. zahlen, während sich die sonstigen Versorgungsunternehmen mit 3 bis 6 v. H. begnügen mußten. Gustav Plum