Wenn diese von lauter jungen, aber sehr intensiven Darstellern getragene deutsche Aufführung des amerikanischen Fernsehspiels „Held in unserer Zeit!“ im Fernsehstudio des Hessischen Rundfunks doch nur kein Einzelfall bliebe. Sie hat gezeigt, wie man Zuschauer am Fernsehschirm im Innersten packen und erschüttern kann. Der Autor. D. Davidson hat das verfänglichste aller Themen aufgegriffen: das Sichbewähren oder Versagen des einzelnen vor der „Seelenmassage“ durch kommunistische Polizei. Aus Korea kommen ausgetauschte Kriegsgefangene zurück, alle mit Psychosen belastet, die von ihren Erfahrungen bei Verhören und Folterungen durch die rotchinesischen Wachorgane herrühren. Das Schlimmste, unter dem sie zu leiden haben, ist der völlige Verlust der Selbstachtung. Sogar die, die allen Versuchungen und Drohungen standgehalten haben, trauen sich zu, daß sie bei getrübtem Bewußtsein und gelähmtem Willen ihre Kameraden verraten haben – und sind doch vielleicht (wer weiß es?) gar nicht schuldig. Auch dem klugen und humanen Tiefenpsychologen in Stabsarztuniform bleibt nichts als vorsichtiges Herantasten und die Hoffnung, daß sich die Reste des Kameradschaftsgeistes in der Gruppe beim Zusammenleben allmählich wieder durchsetzen – was denn am Ende dieses Dramas auch tatsächlich geradezu schockartig geschieht. Das ergibt ein fernsehtechnisch ungemein kompliziertes, aber von dem Regisseur Fritz Umgelter und seinen Kameraleuten bewundernswert sicher bewältigtes Spiel mit Rückblenden (die als eingeblendete Filmaufnahmen gezeigt werden müssen), schnellem Wechsel der Schauplätze und ganz ungewöhnlichen Anforderungen an die Glaubwürdigkeit der Darstellung. Sie gelang überzeugend. Beharrliche, zielbewußte Arbeit und das Gefühl für Möglichkeiten, auf dem Fernsehschirm ein Bild der Ausgesetztheit des Menschen in unserer Zeit zu geben, hatten dazu verholfen.

Wir werden sehen:

Montag, 10. Oktober, 21 Uhr:

Vom Bayerischen Fernsehfunk die Wiederholung einer der geglücktesten aller bisherigen Sendungen: Gustav Rudolf Sellners Inszenierung von Carl Orffs „Die Kluge“.

Wir werden hören:

Donnerstag, 6. Oktober, 20 Uhr vom NWDR:

In der Hamburger Produktion von Leopold Ahlsens kühn balladeskem Partisanen-Hörspiel „Philemon und Baucis“ spricht Hedwig Wangel die Rolle der robusten alten Bäuerin in den griechischen Bergen 1944.