Daß Vollblütern, die nicht ganz so erfolgreich sind, wie ihre Besitzer es wünschen, zuweilen unerlaubte Mittelchen heimlich ins Futter gemixt werden, um ihnen etwas „auf die Sprünge zu helfen“, ist eine bekannte Sache. Sie wurde einst von den Zigeunern besonders gepflegt, heute nimmt man statt Bilsenkraut und Tollkirschen vornehmlich Atropin und Kokain. Man hat mit der Entwicklung der modernen Chemie auch auf dem grünen Rasen Schritt gehalten. Selbstverständlich gehen alle zuständigen Stellen energisch gegen das unfaire und für die Pferde schädliche „Dopen“ vor. Daß man auch im Automobil-Rennsport mit solchen unlauteren Mitteln arbeiten kann, ist neu. Die Bombe ist neulich in Berlin nach dem letzten großen Rennen auf der Avus geplatzt. Schon vor längerer Zeit waren im Auslande Stimmen laut geworden, daß in Deutschland bei Rennen für serienmäßige Wagen die Motoren „frisiert“, durch einige kleine Manipulationen „aufgepulvert“ oder um in der Fachsprache zu bleiben, zu stark verdichtet würden. Der Automobilclub von Deutschland wollte diesem schweren Vorwurf sofort begegnen. Er ordnete deshalb unmittelbar nach Abschluß der Rennen eine genaue Nachprüfung der Wagen aller Privatfahrer an und siehe da – die Ausländer hatten Recht gehabt mit ihren Behauptungen. Die Wagen einzelner deutscher Fahrer waren tatsächlich „gedopt“! Der AvD disqualifizierte sofort den Sieger und den Dritten des Rennens, an deren Wagen dieses Dopen festgestellt worden war.

Aber dabei kann es doch eigentlich nicht bleiben? Viel wichtiger als die bloße Aberkennung des Sieges ist doch die Frage: Was wird mit den Fahrern geschehen? Wenn die verantwortlichen Männer des führenden deutschen Automobilclubs tatsächlich erklärten, daß sie nach dieser traurigen Entdeckung „Betrüger am Steuer nicht dulden und unseren Automobilsport sauber halten wollen“, dann müßten sie doch die Sache dem Staatsanwalt übergeben oder doch zum mindesten die unkorrekten Sportsleute für immer disqualifizieren. Darüber hat man leider noch nichts gehört.

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Gute Nachricht kam aus Helmstorf in Holstein, dem Wohnsitz von Magnus von Buchwaldt, der mit Weltmeister Hans-Günther Winkler und Fritz Thiedemann an der Spitze der deutschen Turnierreiter steht. Sein Hannoveraner Fuchswallach Jaspis, der sich im Frühjahr in Nizza einen so schweren Gelenkbruch des Kronbeins zuzog, daß – wohl mit Ausnahme des Leiters der Veterinärärztlichen Akademie in Hannover, Professor Henkel – niemand mehr an seine Heilung glaubte, hat seine ersten kleinen Sprünge an der Longe gemacht. Mit allen deutschen Reitern und Pferdefreunden freut sich eine internationale Turniergemeinde, die die Siegesserie und den deutschen Hochsprungrekord dieses Pferdes miterlebte, an seiner Heilung. Daß die Operation gelang, war ein chirurgisches Meistersück. Daß Jaspis heute wieder galoppieren kann, grenzt an ein veterinärmedizinisches Wunder.

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Über die neueste (sechste) Niederlage der deutschen Nationalfußballelf in Belgrad, wie auch über die katastrophale Schlappe unserer B-Mannschaft in Laibach braucht man sich nicht mehr zu wundern. Wundern muß man sich nur über die Reaktion, die diese Pannen in der deutschen Öffentlichkeit hervorgerufen haben. Nachdem man bisher noch immer Entschuldigungen und Ausreden gefunden hatte, kommt man jetzt plötzlich mit ultimativen Forderungen, Vorschlägen und guten Ratschlägen, die schon längst hätten erfüllt sein müssen. Natürlich taucht auch wieder die berühmte Bundesliga auf, obwohl sie an der Sache auch nicht viel ändern wird. Denn die Schuld an diesem Versagen trägt nicht die Gelbsucht, nicht die Urlaubszeit, kaum auch die Verfassung unserer Spieler. Die Schuld tragen allein die Vereine, die dem bedauernswerten Bundestrainer Sepp Herberger Schwierigkeiten machten, eine kampfkräftige und leistungsfähige Nationalelf zusammenzuhalten. Der Deutsche Fußball-Bund hat einfach nach Bern nicht die Verpflichtung erkannt, die ihm der Sieg der deutschen Elf in der Weltmeisterschaft auferlegte. Den einzelnen Vereinen war ihr eigenes Interesse viel wichtiger als das des deutschen Fußballsports. Sie dachten stets nur an ihre Kassen. Und da sich zur Zeit bei unserem Fußballsport alles nach der Gewinn- und Verlustrechnung des Vereinskassenwarts zu richten hat, wird es auch in Zukunft nicht anders werden, ob mit oder ohne Bundesliga. Erst wenn der Egoismus der Vereine überwunden sein wird, kann es besser werden.

W. F. Kleffel