110 Armbanduhren im Werte von fast 3000 DM wurden kürzlich in Kingston (Jamaika) aus dem Postpaket eines deutschen Exporteurs gestohlen. Fast zur gleichen Zeit wurden auch von anderen Jamaika-Exporteuren kleinere Postdiebstähle gemeldet. Selbstverständlich hatten sie alle ihre Exportsendungen versichert. Die Schäden wurden reguliert und könnten damit eigentlich als erledigt betrachtet werden.

So einfach liegen die Dinge indessen nicht. Hier entstand schließlich nicht nur den Exporteuren ein Schaden, sondern auch der Versicherungsgesellschaft und damit dem ganzen Volksvermögen. Gibt es Möglichkeiten, diese Schadenquelle zu beseitigen? Wer ist dafür zuständig?

Auf Jamaika befindet sich – wie in den meisten Ländern der Welt – ein Havarie-Kommissar des Gerling-Konzern. Er setzte sofort die dortige Kriminalpolizei auf die Spur, die feststellte, daß alle Pakete auf dem Weg vom Postamt zum Empfänger bestohlen worden waren. Die Täter konnten zwar nicht mehr gefaßt werden; doch vereinbarte der Havarie-Kommissar mit den dortigen Postbehörden, daß bei Wertsendungen in Zukunft eine Empfangsbestätigung mit Inhaltsangabe ausgestellt wird. Fernschriftlich ging diese Verabredung an die Zentrale des Gerling-Konzern in Köln. Wenige Tage später hatten alle Geschäftsfreunde des Unternehmens die Nachricht auf ihrem Schreibtisch liegen. Alle, die nach Jamaika exportieren, konnten nun ihre Kunden auffordern, die Pakete gleich auf der Post öffnen zu lassen und den Inhalt in Gegenwart eines Beamten mit der Zollfaktura zu vergleichen. Eine kleine Schadenquelle war damit beseitigt.

Wie im kleinen, so im großen.

Ob es sich um die Verschlechterung der Hafenverhältnisse in Accra (Westafrika), um Streiks in einem südamerikanischen Hafen, um die Lager- und Transitmöglichkeiten in Indonesien oder um das vorzeitige Einsetzen der Regenzeit in einem Lande am Äquator handelt – immer erfahren die Kunden des Gerling-Konzern sofort die Berichte der Havarie-Kommissare. Ja, vielen Exporteuren ist es schon zur Gewohnheit geworden, bei Neuabschlüssen mit überseeischen, Ländern den Gerling-Konzern zu fragen, wie die Risiko-Verhältnisse dort liegen.

Vor 30 Jahren hat wohl kaum irgend jemand geahnt, welche weltweiten Ausmaße die Betreuung durch eine große Versicherung gerade in dieser Hinsicht annehmen würde. Dabei ist die Einsetzung der Havarie-Kommissare nicht einmal der wichtigste Teil der Schadenverhütung! Mehr Sorgen bereitet das Zunehmen der Schadenfälle auf allen Gebieten im Inland.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden in der Bundesrepublik Feuerschäden in Höhe von 102 Millionen DM gemeldet, wobei sich der Anteil der Industrie gegenüber dem Vorjahr wesentlich erhöht hat.