Dies ist, was wir heute, drei Wochen vor Beginn, über die Genfer Konferenz wissen: sie wird am 29. Oktober beginnen und etwa drei Wochen dauern. Das Sekretariat wird diesmal unter sowjetischer Leitung stehen. Über die Tagesordnung besteht Einigkeit, sie wird der Direktive entsprechen, die von der letzten Genfer Konferenz festgelegt wurde; Molotow hat lediglich mitgeteilt, daß die Russen unter Umständen auch noch weitere Fragen (offenbar fernöstliche) behandeln wollen. Der erste Punkt der Direktive heißt europäische Sicherheit und deutsche Wiedervereinigung. Die drei westlichen Außenminister haben noch einmal – und das ist für uns von allergrößter Wichtigkeit – mit Nachdruck betont, daß die Wiedervereinigung Deutschlands im Rahmen eines europäischen Sicherheitssystems das Hauptthema der Konferenz sein werde.

Was jedoch nicht genau bekannt ist, sind die Modalitäten eines solchen Sicherheitssystems. Es scheint, daß die drei westlichen Außenminister bei den New Yorker Beratungen in der letzten Woche immer weiter von dem Eden-Plan abgerückt sind und ein ost-westliches Sicherheitsbündnis immer mehr in den Vordergrund getreten ist. Zu einem solchen Sicherheitspakt sollen gehören: die vier Großmächte, einige Mitglieder der NATO, einige Mitglieder des Warschauer Paktes und ein wiedervereinigtes Deutschland. Das nämlich ist das Neue an dieser Idee: das Sicherheitssystem soll Zug um Zug, entsprechend den einzelnen Phasen der Wiedervereinigung der beiden Teile Deutschlands, zustande kommen, dergestalt, daß es erst in dem Moment wirksam wird, in dem Deutschlands Wiedervereinigung vollzogen ist. Manche Berichte sprechen von insgesamt fünfzehn Teilnehmern, andere sagen, die Anzahl der Mitglieder eines solchen Kollektivpaktes sei noch unbekannt. Ebenfalls nicht eindeutig sind die Berichte über den Charakter des Sicherheitssytsems; einmal heißt es, der Plan sehe Nichtangriffs- sowie Beistandsverpflichtungen im Rahmen der UNO-Satzung vor, ein andermal aber wird davon gesprochen, daß zunächst nur zwischen den bestehenden Verteidigungsorganisationen, also der NATO und den Staaten des Warschauer Paktes, ein Sicherheitsvertrag abgeschlossen werde. Soviel steht jedenfalls fest: die drei Westmächte sind fest entschlossen, dem russischen Sicherheitsbedürfnis im Rahmen der bestehenden Bundnisse so weit wie möglich entgegenzukommen sofern die Sowjets bereit sind, die deutsche Wiedervereinigung aktiv zu betreiben. Ebenfalls fest steht allerdings nach der Rede, die Molotow vor der UNO gehalten hat, die sowjetische Forderung, der Westen müsse alle bestehenden Verteidigungsorganisationen auflösen und alle amerikanischen und englischen Truppen vom europäischen Kontinent sowie aus Nah- und Fernost zurückziehen. Dff