Dem Wochenbericht über die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank AG, dem Nachfolgeinstitut der Dresdner Bank In Norddeutschland, entnommen.

Die überwiegende Anzahl der notierten Waren wies eine Festigung auf, obwohl die Preisentwicklung während der Berichtswoche verhältnismäßig starken Schwankungen unterlag. Nachdem zu Anfang der Berichts-Woche infolge der plötzlichen Erkrankung des Präsidenten Eisenhower an der Wall Street wie auch auf den einzelnen Weltmärkten z. T. erhebliche Kurs- bzw. Preiseinbrüche erfolgten, setzte sich zur Wochenmitte wieder eine Preisfestigung durch, die allerdings z. T., so z. B. bei Getreide und Baumwolle, auf technische Ursachen zurückzuführen war. Infolge der laufenden Ernte war es nicht immer möglich, den Markt mit einer der Nachfrage entsprechenden Warenmenge zu beliefern, so daß sich infolge eines vorübergehenden begrenzten Angebots eine Preisfestigungsneigung durchsetzte. Abgesehen von Blei, dessen Preis sich während der Berichtswoche erhöhte, waren diejenigen der übrigen NE-Metalle konstant bzw. rückläufig. Es ist anzunehmen, daß die eingetretenen Rückgänge noch stärker gewesen wären, wenn nicht erneute Arbeitsschwierigkeiten in wichtigen Bergbauländern diesen Märkten eine Stütze gegeben hätten. Nachdem auf den Wollmärkten längere Zeit eine gewisse Schwächeneigung bestanden hatte, löste die auf den Rohwollmärkten in der Berichtswoche lebhaftere Nachfrage im Wochendurchschnitt eine Preisfestigung aus. Im Einklang mit der Entwicklung an der Wall Street gegen Wochenende zeigte auch die Preisbildung auf den Warenmärkten eine rückläufige Tendenz. Es ist anzunehmen, daß die Ursache hierfür neben Gewinnmitnahmen äußerst vorsichtige Dispositionen der Nachfrageseite waren.

In den Agrarländern, und zwar nicht zuletzt auch in den USA, mehren sich neuerdings die Stimmen gegen den Agrarprotektionismus. Bekanntlich hat die allgemeine Nahrungsmittelknappheit, verbunden mit steigenden Preisen für Agrarerzeugnisse, die Agrarländer nach dem zweiten Weltkrieg dazu veranlaßt, ihre Produktion auszudehnen. Als nun im Laufe der Zeit die Erzeugung solchen Umfang angenommen hatte, daß ein Verkauf nur zu rückläufigen Preisen möglich gewesen wäre, sahen sich die Regierungen dieser Länder veranlaßt, mit Hilfe protektionistischer Maßnahmen die Preise auf einem Niveau zu stabilisieren, das der Landwirtschaft ein mehr oder weniger unverändertes Einkommen garantierte. So haben z. B. die USA im vergangenen Jahr an Lagerkosten für die Stützungsbestände 967 000 $ pro Tag oder 352 Mill. $ für das ganze Jahr gezahlt, und die sich infolge rückläufiger Preisbewegungen ergebenden Verluste betrugen in den letzten beiden Finanzjahren 1218 Mill. $. ein Betrag, der die Gesamtverluste aus der Preisstützung der letzten 18 Jahre um 219 Mill. $ übersteigt.

Die Einsicht, daß diese Politik auf die Dauer wenig sinnvoll ist, scheint sich nunmehr verstärkt durchzusetzen. Offen bleibt dabei jedoch die Frage, wie es möglich ist, die inzwischen mit großem finanziellem Aufwand angehäuften Bestände mit den relativ geringsten Verlusten aufzulösen. Vermutlich wird das Problem des Agrarprotektionismus bei den nächsten USamerikanischen Präsidentenwahlen noch eine Rolle spielen.

Getreide: Bemerkenswert war wiederum der Preisanstieg auf den nordamerikanischen Getreidemärkten, z. T. hervorgerufen durch die Möglichkeit, daß Weizen in der nächsten Saison wieder zu 90 v. H. der Parität gestützt werden könnte. Auch auf dem Londoner Terminmarkt war die Tendenz für Grobgetreide, vor allem für Gerste, in der letzten Zeit fest. Dies dürfte allerdings nicht so sehr darauf zurückzuführen sein, daß sich die Nachfrage belebt hat, sondern der Hauptgrund ist wohl darin zu suchen, daß insbesondere in Kanada Schwierigkeiten, in der Lagerung von Weizen bestehen, wodurch die Anlieferungen der Farmer an Gerste und anderen Futtergetreiden verzögert wurden, so daß eine gewisse Angebotsverknappung zu verzeichnen ist. Nach den bisherigen Schätzungen ist die diesjährige Gerstenernte in den USA rd. 5 v. H. und die kanadische rd. 53 v. H. höher als im Vorjahr. Auch Frankreich erwartet hohe Erträge. Zum Wochenende waren die Getreidenotierungen allerdings überwiegend rückläufig. Vermutlich steht diese Bewegung im Zusammenhang mit der Herabsetzung der kanadischen Weizenpreise. Für Verkäufe inner- und außerhalb des IWA stellt sich der Preis für Northern Manitoba Nr. 1,2 und 3 nunmehr um 3 c/bu und für Nr. 4 um 4 c/bu niedriger.

Weizen: Ende Oktober beginnen in Genf Verhandlungen über eine Verlängerung des im Sommer nächsten Jahres, ablaufenden Internationalen Weizenabkommens bzw. über die Schaffung eines neuen Abkommens. Die Tatsache, daß diese Konferenz von der UNO einberufen wurde, dürfte darauf hindeuten, daß die Probleme des Weltweizenmarktes nicht vom Internationalen Weizenrat in London gelöst werden können, und daß sich die UNO durch die Einladung von Nichtmitgliedern, wie z. B. Großbritannien, Argentinien und der UdSSR, um eine weltumspannende Regelung des Weizenproblems bemüht. Ingesamt sollen mehr als 60 Länder teilnehmen.

NE-Metalle: Eine uneinheitliche Preisentwicklung war das Kennzeichen der NE-Metalle während der Berichtswoche, Anfang der Woche trat infolge des durch die Erkrankung des US-Präsidenten Eisenhower hervorgerufenen Kurssturzes an der Wall Street ein relativ starker Preisrückgang ein, der später von einer Preisfestigung abgelöst wurde. Ende der Berichtswoche war erneut überwiegend eine Schwächeneigung zu erkennen.