Erneuerung durch heilende Wasser

Erhitzt man einen dünnen Gewebeschnitt irgendeines menschlichen Organes auf etwa 500 Grad, so verbrennen alle organischen Substanzen. Es bleibt ein hauchdünner Aschenrückstand übrig, der aus Mineralstoffen besteht. Insgesamt hat man bisher aus menschlichen Geweben 53 verschiedene Elemente isoliert. Viele von ihnen kommen nur als sogenannte Spurenstoffe in unwägbar kleinen Mengen vor. Deshalb ist es auch durchaus möglich, daß im lebenden Organismus noch die restlichen 35 der 88 in der Erde vorkommenden Elemente ihr Wesen treiben, allein sie haben sich bisher dem Nachweis entzogen,

Nur relativ wenig weiß man bis heute über die Funktion dieser einzelnen Grundstoffe. Seit man aber in Chemie und Technik die Bedeutung der Katalysatoren kennt – das sind Stoffe, die, obgleich in geringster Quantität vorhanden, den Ablauf gewisser chemischer Prozesse erst ermöglichen – ist man vorsichtig mit dem Urteil, daß viele dieser Stoffe praktisch keine Rolle spielen können, weil sie in so geringen Mengen vorkommen.

Allein acht Mineralstoffe: Natrium, Calzium, Kalium, Magnesium, Eisen, Phosphor, Schwefel, Chlor kommen in jeder menschlichen Zelle vor. Von ihnen weiß man, daß sie lebenswichtige Funktionen besitzen, daß sie unbedingt in einem verhältnismäßig eng begrenzten Gleichgewicht zueinander stehen müssen, damit der Mensch gesund und leistungsfähig sein kann.

Verschiebungen im Mineralhaushalt des Körpers findet man bei einer, ganzen Reihe von Erkrankungen. Man kann heute aber noch nicht sagen, ob diese Verschiebungen Ursache oder Folge dieser Erkrankungen sind. Die Diskussion um diese Frage ist heftig im Gange. Gerade die moderne Forschung beschäftigt sich intensiv mit der Frage nach der Funktion der Mineralstoffe. Die Isotopenforschung hat auch hier ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Dadurch rückt auch die Bedeutung der Regulierung des Mineralstoffwechsels als therapeutische Maßnahme mehr in den Vordergrund als bisher. Ein hervorragendes Mittel normalisierend in den Mineralstoffwechsel des Körpers einzugreifen, ist die Anwendung von Trinkkuren aus Heilquellen.

Daß die natürlichen Quellen seit alters her als innerlich anzuwendende Heilmittel galten und zu den ältesten Medikationen überhaupt gehören, wissen wir aus einer Reihe von Schriften und Werken der bildenden Kunst. Die Quellen waren von Göttern und Geheimnissen umgeben, durch die sie ihre Heilkraft erhielten. Mit dem Auftauchen des analytischen Denkens in den Naturwissenschaften wird auch die Heilquelle ihres mystischen Charakters entkleidet. Schon Paracelsus liefert die erste quantitative Analyse der zur Therapie angewendeten Heilwasser. Aus dem 16. Jahrhundert stammt von Martinus Rulandus die Einteilung der Heilwasser nach Salz-, Eisen- und Schwefelquellen und die Zuordnung einzelner Trinkkuren zu bestimmten Erkrankungen.

Analyse der Heilkraft