Raymond Loewy in Westdeutschland

Eswar einer der letzten schönen Septembertage dieses Jahres. Über die Düsseldorfer Königsallee, die "Kö", ging ein Mann, der auffiel. Offensichtlich war es sein knallgelb und schwarz kleinkariertes Jackett, das den Düsseldorfer zum Umdrehen und (wie der Berliner sagen würde) zum "Kieken" verleitete. Wir gingen die halbe Kö entlang hinter ihm her und freuten uns, daß Häßlichkeit auffällt. Denn häßlich war das Jackett, allerdings auch gewagt und – somit attraktiv. Der Mann, der es trug, war der Amerikaner Raymond Loewy, geboren und in den ersten 26 Jahren seines Lebens in Paris, aber seit 1927 in den Staaten und Verfasser des Buch-Welterfolges "häßlichkeit verkauft sich schlecht".

*

Dieser Mann, der in der Neuen Welt Umsätze beeinflußt, die in die Milliarden gehen, mit dessen Ideen 120 Millionen Amerikaner täglich mindestens einmal in Berührung kommen, der wohl der größte industrielle Formgestalter dieses Jahrhunderts ist, war in Deutschland aus mancherlei Gründen. Er kam nicht nur, um die vierte deutsche Auflage seines Buches zu starten, um in Essen auf dem Gruga-Gelände am 24. September die Internationale Fachausstellung Wirtschaft und Werbung zu eröffnen, sondern um auch mit einigen deutschen Unternehmern Gespräche seines eigentlichen Metiers, nämlich moderner Formgestaltung, zu führen.

*

"Ich liebe schöne Frauen genau wie gutgeformte Lokomotiven; ich bringe ästhetisches Gefühl und Geschmack in die harte Arbeit des Tages; ich kenne die Psychologie des Massenabsatzes, die nach der schönen Form verlangt; und ich schaffe schöne Formen, sei es am Kühlschrank oder an der Autobatterie, am Lippenstift oder am Flugzeug, an einer Waage oder an der Verpackung einer Zigarettenschachtel", sagte Loewy in einem Gespräch ...

In den USA ist man dank der Tätigkeit dieses Mannes in der industriellen Formgestaltung dem alten Kontinent unendlich weit voraus. Diese functional beauty" ist zugleich untrennbar mit den großen Verkaufserfolgen verbunden, von denen Fabrikanten, Ingenieure, Konstrukteure, Architekten, Warenhausbesitzer und selbst Verkehrsgesellschaften von drüben berichten. Wenn Loewy jetzt in Deutschland mit einigen Firmenchefs verhandelt, so darf daraus geschlossen werden, daß in dem Bestreben, fabrikatorische Leistungen mit den Formen moderner Architektur und geschmackvoller Gestaltung zu verbinden, Terrain gewonnen wird. Dies wird der industriellen Produktion Deutschlands nur nutzen und sollte gefördert werden. Rlt.