Vor 125 Jahren genehmigte die Königlich Sächsische Regierung nach den von dem Leipziger Kaufmann Olearius entworfenen Statuten die Errichtung einer Lebensversicherungsanstalt zu Leipzig. Sie hat sich durch alle Stürme der Zeit hinweg zu einer der bedeutendsten Assekuranzen entwickelt. Das Ende des letzten Krieges traf sie Schwert sie verlor ihren Stammsitz in Leipzig und damit eines ihrer wertvollsten Wirtschaftsgebiete. Nach einer vorübergehenden Gastrolle in Gandersheim siedelte sie 1952 nach Frankfurt über, um wieder einen engen Kontakt mit dem Wirtschaftsleben zu finden. In wenigen Jahren konnte sie ihren Versicherungsbestand, der 1950 bis auf 290 Mill. DM abgesunken war, wieder auf rd. 715 Mill. DM an ihrem Jubiläumstag aufbauen.

Wie der am 11. Oktober von der Mitgliedervertretung genehmigte Abschluß von 1954 zeigt, ist die Innere Struktur des Unternehmens bei aller Aufgeschlossenheit gegenüber den Erfordernissen einer modernen Zeit von bewährten konservativen Grundsätzen geprägt worden. So ist z. B. der vorzeitige Abgang an Versicherungen im letzten Jahr weiter gesunken und nähert sich einem Satz von nur noch 3 v. H. des Versicherungsbestandes. Das läßt erkennen, daß nicht Geschäfte um jeden Preis gemacht werden, sondern daß entsprechend dem Charakter einer Versicherung auf Gegenseitigkeit das Streben nach Solidität allem anderen vorangestellt ist. Am stärksten kommt sie naturgemäß in der Hauptvermögensanlage zum Ausdruck, bei der sich eine gewisse innere Verschiebung gegenüber der Reichsmarkzeit zeigt. Die Hypothekendarlehen, die vor 25 Jahren eine überragende Stellung einnahmen, dann aber in den dreißiger Jahren zwangsläufig zugunsten des Wertpapierbesitzes verloren, nehmen zwar ständig von Jahr zu Jahr zu, aber lange nicht so stark, wie die offenbar besser rentierlichen Schuldscheindarlehen, die heute etwa 20 v. H. des Wertpapierbestandes ausmachen. Solche Darlehen gingen zu je etwa einem Drittel an Gebietskörperschaften, Grundstoffindustrie, aber auch an Versorgungsbetriebe und Kreditanstalten.

Als ein Zeichen der Gesundung ist anzusprechen, daß der Bestand an Ausgleichsforderungen, obwohl er absolut gleich geblieben ist, bei der Ausweitung des Geschäftes mit einem Anteil von 44 v. H. nicht mehr dominiert. Im Wirtschaftsjahr 1954 wurden Gesamtüberschüsse in Höhe von 7 Mill. DM erzielt, von denen 5,9 Mill. DM nicht geschäftsplanmäßig waren. Hiervon gehen 2,1 Mill. DM auf die Sterblichkeit bei der Kapitalversicherung auf den Todesfall und 3,6 Mill. DM auf Zinsüberschüsse zurück. Die gesamten Überschüsse werden, wie das dem Charakter einer Versicherung auf Gegenseitigkeit entspricht, der Rückstellung für Beitragsrückerstattung zugeführt. Diese hat inzwischen den stattlichen Betrag von über 30 Mill. DM erreicht. Hierin sind thesaurierte Überschüsse aus den zurückliegenden Jahren, die keine regelmäßigen Abschlüsse fanden, enthalten. Sie werden jetzt den Versicherten in Form eines Bonus zugute kommen. R b.