Frankreich und Nordafrika: Die Aufstände der Berber und Rifkabylen In Marokko führten zu schweren Kämpfen. Über die Einzelheiten hat Paris eine Nachrichtensperre verhängt, aber man schätzt, daß fast die halbe französische Armee, davon 80 000 Mann in Marokko und 160 000 in Algerien, im Einsatz steht. Die Autonomiebewegung droht die Grenzen zwischen Algerien und Marokko zu verwischen. Ein Flugblatt der "Maghreb-Befreiungsarmee" mit dem Hauptquartier in Kairo forderte den Kampf bis zur Unabhängigkeit ganz Nordafrikas, selbst im befriedeten Tunis rief der Generalsekretär der Neo-Destourpartel die Bevölkerung zur Unterstützung auf. Ministerpräsident Faure zwang drei exgaullistische Minister und einen Staatssekretär, die sich seiner Marokkopolitik widersetzen, zum Rücktritt und erhielt nach schweren Debatten in der Kammer eine Mehrheit von 447 gegen 140 Stimmen. Ob seine Regierung sich halten kann, hängt von dem Ausgang der Debatte über Algerien ab.

Sowjeteinfluß Im Nahen Osten: Ägyptens Ministerpräsident Nasser weigerte sich dem amerikanischen Unterstaatssekretär Allan gegenüber, das Abkommen über die Waffenlieferungen aus der Tschechoslowakei aufzugeben. Als Begründung gab er an, Israel werde vom Westen bevorzugt beliefert. Auch Saudi Arabien und Syrien boten die Ostblockstaaten Waffen an, und Botschafter Daniel S. Solod gab in Kairo bekannt, die Sowjetunion werde den arabischen Ländern auch jede gewünschte Wirtschaftshilfe, insbesondere Maschinen für Landwirtschaft und Bauindustrie zur Verfügung stellen. Damit hat Moskau zum erstenmal im Nahen Osten Fuß gefaßt. Ein Wettrüsten zwischen den arabischen Staaten und Israel birgt die Gefahr, daß Israel versucht sein könnte, anzugreifen, bevor das Obergewicht erdrückend wird. Die durch den Zypernkonflikt erschütterte Stellung der Westmächte im östlichen Mittelmeer ist noch schwieriger geworden. Die sowjetische Regierung hat sich damit Trümpfe gesichert, die sie bei den Verhandlungen in Genf ausspielen könnte.

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Griechenlands neuer Ministerpräsident: Ministerpräsident Marschall Papagos, "der Retter Griechenlands", starb im Alter von 71 Jahren. Er war als Haupt der griechischen Sammlungsbewegung Markezinis ein Garant für die politische Stabilität. Zu einer Zeit, da das Land durch die Zypernkrise erschüttert ist, kommt sein Tod in einem besonders kritischen Augenblick. Ali Nachfolger wurde nicht der von ihm designierte Außenminister Stephanopoulos, der mit dem Mißerfolg der kürzlichen Zypernkonferenz in London belastet, ist, sondern Konstantin Karamanlis ernannt. Karamanlis gehört ebenfalls der Sammlungsbewegung an. Er stellte allgemeine Wahlen "zu geeigneter Zeit" in Aussicht.

England verringert die Armee: Premierminister Eden kündigte auf dem konservativen Parteitag an, die englische Truppenstärke würde bis April 1958 um etwa 100 000 Mann auf 700 000 herabgesetzt werden. Die zweijährige Dienstpflicht wird jedoch beibehalten. Die Regierung will damit den Arbeitsmarkt entlasten. Möglicherweise ist die Maßnahme zugleich ein erster Schritt für die Einführung eines Berufsheers, das die Armeeführung seit langem fordert.

Erklärungen zum Saarstatut: Auf einem Treffen In Luxemburg erklärten Bundeskanzler Adenauer und Außenminister Pinay, das Saarstatut solle, falls es angenommen werde, im Einvernehmen mit der Bevölkerung näher ausgearbeitet, die Affinität der Saarländer gewahrt und ihre Freiheiten erhalten werden. Über den Fall einer Ablehnung wurde nichts verlautbart. Die von den Franzosen gewünschte Aufforderung an die Saarländer, für das Statut zu stimmen, verweigerte der Kanzler, um den Vorwurf direkter Einmischung zu vermeiden. Pinay erklärte ferner der Presse, Frankreich würde das Recht freier Entscheidung über das Statut beim Frieden achten. Damit ist die Forderung des früheren Ministerpräsidenten Mendès-France überholt, das Saarabkommen müßte ohne Änderung in den Friedensvertrag übernommen werden. – Das Bundesverfassungsgericht stellte fest, das Saargebiet sei nach wie vor als Teil des Deutschen Reiches Inland, daran habe auch das Saarabkommen nichts geändert.

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