Der junge bayrische Dramatiker Leopold Ahlsen hat – ein ganz seltener Fall – bereits mit seinem Erstlingshörspiel "Philemon und Baucis" bald nach der Ursendung (aus München) die Chance einer zweiten Produktion erhalten. Der NWDR Hamburg regte den ungewöhnlich mutigen und sprachmächtigen Dichter zu dramaturgischen Änderungen an und gab seinem Werk eine Besetzung von hoher Vollkommenheit: Hedwig Wangel sprach, nein verkörperte (neben dem exzellenten Paul Bildt als Philemon) den Part der urwüchsigen, fast männlich robusten griechischen Bäuerin, die zusammen mit ihrem greisen Mann während des deutschen Rückzugs 1944 von den siegreichen Partisanen mit dem Tod gestraft wird, weil ihre Hütte einem verwundeten Deutschen Gastfreundschaft gewährte. Es ist eine Rolle, die Kraft und Innigkeit des Opferwillens, Derbheit und Zartheit vereinen muß, um ganz glaubhaft zu werden. Die achtzigjährige Künstlerin, einst eine der Großen in Max Reinhardts großer Zeit, sprach, als seien die Jahrzehnte spurlos an ihr vorübergegangen. Der Hörer glaubte zu spüren, wie die Sprecherin sich an der kühnen und erbarmungslosen Phantasie des um ein halbes Jahrhundert jüngeren Funkdichters entzündete und ihre Freude daran hatte, daß das Werk ihrem souveränen Zugriff standhielt. Man wird dies grandiose Hörspiel gewiß noch oft senden. Es ist ein Dokument des Einverständnisses zwischen alt und jung – ein Zeugnis, daß dramatische Tradition doch nicht nur eine Sehnsuchtsformel ist.

Wir werden sehen:

Freitag, 14. Oktober, 20.25 Uhr:

Im Baden-Badener Studio inszeniert Leo Mittler die (sozusagen) Welt-Fernseh-Uraufführung von Zuckmayers jüngstem Drama "Das kalte Licht". Peter Schütte spielt den Atomspion, Margot Trooger die Lady Ketterick.

Donnerstag, 13. Oktober, 20.50: Aus dem Münchener Studio ein Fernsehspiel nach Stefan Andres Novelle "Wir sind Utopia" mit Friedrich Domin als Padre Damiano. – Sonnabend, 15. Oktober, 20. 25: Ausschnitte aus dem 2. Akt der Festvorstellung der "Zauberflöte", mit der das neue Haus der Hamburgischen Staatsoper eröffnet wird. – Dienstag, 18. Oktober, 20.40: Im Frankfurter Studio inszeniert Fritz Umgelter eine Fernsehfassung von Friedrich Forsters Schülertragödie "Der Graue" zum 60. Geburtstag des Autors.

Wir werden hören:

Donnerstag, 13. Oktober, 22.20 Uhr aus Frankfurt: