Von Werner Graßmann

Lange vor dem ersten Werktag meines Filmstudios habe ich mir den Kopf zerbrochen, wie ich es nennen solle, um gleich von Anfang an Verwechslungen zu vermeiden. Der Name sollte sehr kurz sein; denn auch mein Raum ist nur klein. Außerdem erhöht ein langer Name die Inseratkosten nur unnötig. So entstand "studio 1". Die Methode, hinter einen Namen die Jahreszahl, etwa 47, 48, 49 oder 53, zu setzen, scheint mir veraltet.

Studio heißt Arbeitsraum (im "Langenscheidt" steht: Künstleratelier). Und hat denn in einem Arbeitsraum das Publikum etwas zu suchen? Ja, das ist natürlich richtig. Aber ich muß halt mehr über mein Studio erzählen.

Fast in jedem Land Europas – Deutschland natürlich ausgenommen – gibt es eine staatliche Filmothèque, allgemeiner bekannt als Cinematheque. Diese Cinematheque archiviert Filme, auch Bücher, die sich mit Filmen befassen, Filmbilder und zu einem kleinen Teil auch alte Apparate und Requisiten. Wie eine Bibliothek aber sieht die Cinemathèque nicht ihre Aufgabe darin, nur zu sammeln. Sie stellt ihr Material Interessenten zur Verfügung und führt, oft gegen ein Pfennigeintrittsgeld, ihre Filme in einem ihr gehörenden Saal vor.

In Deutschland wird diese Arbeit von Hanns-Wilhelm Lavies in Wiesbaden, dem Gründer und Leiter des Deutschen Instituts für Filmkunde, oft unter großen persönlichen Opfern, geleistet. Die dort archivierten Filmkopien und das Material sind aber im Verhältnis zum Bestand ausländischer Cinémathèquen leider verschwindend gering, weil eben die nötige staatliche Unterstützung fehlt. Auch findet eine öffentliche Vorführung der vorhandenen Kopien nicht statt. Wiesbaden wäre dafür wohl zu klein.

Dieses Loch im sonst auch sehr schäbigen Mantel der deutschen Filmkultur wollte ich stopfen. Erstens weil ich es für wichtig hielt und zweitens, weil es mir Freude machte.

Um diese Idee in die Tat umzusetzen, brauchte ich zwei Dinge: ein Kino und alte Filme. Ein Kino konnte ich besorgen. Als Teilhaber einer Kulturfilmproduktionsgesellschaft verfügte ich über ein Studio. Und Filme zu bekommen wäre, so dachte ich, sowieso keine Schwierigkeit.