In Leipzig ist jetzt eine Hochschule für Schrift, steller eingerichtet worden, das "Institut für jLiteratur", das von Alfred Kurella geleitet wird, ider viele Jahre in Moskau gelebt hat Das Leipziger ünstitut untersteht dem Kulturminister Johannes (R Becher, Mitspracherecht besitzt der ostzonale iSchriftstellerverband.

1 Bekanntlich sind die Auffassungen darüber, ob [besondere Schuleinrichtungen für Schriftsteller_sinniroll sind, sehr verschieden. Gewiß kann es richtig sein, einem Schriftsteller das für sein Metier nötige geistige und technische Rüstzeug zu vermitteln — tber nur dann, wenn die Hauptsache schon vorhanden ist, nämlich das Talent. Die mehr materialistisch gestimmte Welt der Sowjets scheint anderer vleinung zu sein, dort hält man alle Dinge für errnbar. Da liegt der Gedanke nahe, auch die Muse xjf einer Akademie schulen zu lassen, damit sie ihr luetisches Soll zu erfüllen vermag.

Es ist kein Geheimnis, daß die geistige Spitze der stzone mit den bisherigen Literaturleistungen un ufrieden ist. Es gibt drüben ein tiefes Unbehagen wer den Zustand der Literatur, und man rätselt it langem darüber, welche Ursachen schuld daran nd, daß die Literatur stagniert. Der dialektische Materialismus, der alle Welträtsel spielend erklärt, ; weist sich anscheinend in diesem Falle als unge ignet zur Diagnose. Kein Wunder, wenn, nun alle ioffnungen auf die neue Hochschule für Literatur Leipzig gesetzt werden. Von ihr erwartet man iie Entfesselung eines Aufschwungs der sowjet; eutschen Literatur.

In der Tat ist ein solcher Aufschwung nötig, >enn man sich die düsteren Schilderungen mancher tzonaler Schriftsteller über die Situation der owjetdeutschen Literatur einmal ansieht. Der rkretär des Ostberliner Schriftstellerverbandes, duard Claudius, spricht von einer "gewissen 1 aute", von "Schematismus, Flachheit, Mangel an lantasie, vom Fehlen eines eigenen Standmktes", und er attestiert vielen Büchern ein ides, kleinbürgerliches Milieu". Er untersucht, ob wa ängstliche Lektoren, mit Verboten drohende "anktionäre und zur Schönfärberei neigende Zeiungsredaktionen am "Zurückhinken" der Ostonenliteratur die Schuld tragen, wie das viele eilen behaupten. Claudius meint aber, wenn der "hriftsteller nur mutig genug sei, werde er alle olchen Hindernisse überwinden können. Mut forerte kürzlich auch der Autor des Drehbuchs zum hälmann Film, Willi Bredel, von den Ostzonenariftstellern.

Für uns klingt das etwas verwunderlich. Wir oirden doch darüber belehrt, daß der Schriftsteller rüben frei schaffen kann, da er nicht mehr unter 3m "kapitalistischen Gewissensdruck" steht. Die schwörenden Anrufe an die Autoren, doch nun idlich Courage zu zeigen, machen aber klar, daß er Gewissensdruck in der Zone ganz erheblich sein muß. Sollte hier nicht die Erklärung für die unbefriedigende Entwicklung der Ostzonenliteratur igen? Das wäre ein Problem, mit dem sich der im ovember stattfindende sowjetzonale Schriftstellerongreß gründlich befassen sollte.

Die Schriftsteller werden aufgefordert, mehr mt zu zeigen. Die Aufforderung geht von den betnnteren Autoren aus und ist an die "Kleinen" erichtet. Aber manche Kritiker ergehen sich in Anjutungen, daß auch die Prominenten keinen Mut lesitzen, weil sie dem heißen Eisen der "zeitnahen hematik" beharrlich aus dem Wege gehen. Es ersbt sich die Frage, ob das Institut für Literatur in eipzig auch Vorlesungen über die Frage, wie ein diriftsteller mutiger werden kann, halten lassen all. Die meisten Schriftsteller der Zone scheinen eilich der Ansicht zu sein, daß es ratsam ist, Mut ur in kleinster Dosis zu zeigen pe m.