Molotow hat in der Moskauer Halbmonatsschrift Kommunist öffentlich Selbstkritik geübt. In seiner Rede vor dem Obersten Sowjet am 8. Februar hatte er erklärt, die Sowjetunion habe bisher nur die Grundlagen für den Sozialismus gelegt. Das sei ein schwerer Irrtum, „ideologisch verfehlt und politisch überaus schädlich“, denn in Wahrheit sei der Sozialismus hier bereits verwirklicht. Und die Zeitschrift fügt in einem Leitartikel, ohne Namensnennung allerdings, eine scharfe Verurteilung so pessimistischer Meinungen hinzu und erklärt, die Zeiten seien vorbei, da „gewisse Personen tabu und jenseits aller Kritik“ waren.

Unter Stalin war eine derartige Selbstanklage in der Regel das Vorspiel der Liquidierung. Es pflegte das Leben zu kosten, oder, wenn einer Glück hatte, die damnatio memoriae in einem Straflager irgendwo in Sibirien. Die Schreckensherrschaft kannte keine Zwischentöne. Unter dem Kollektiv hat sich das gewandelt. Malenkow legte ein Bekenntnis ab. Er verließ die vorderste Linie, aber er blieb, wenn auch in untergeordneter Stellung, Minister. Was also wird aus Molotow? Genügt es, daß er bekannte? Tritt er als Außenminister zurück? Oder aber, auch das ist heute möglich, mußte „der Hammer“ seine unversöhnliche Haltung Tito gegenüber, die in jener Rede zum Ausdruck kam, in einer Weise berichtigen, die der Entspannung und Moskaus neuer Freundschaft für Jugoslawien besser angepaßt ist? Z.