Das bisherige Wahlergebnis in Indonesien ist eine schwere Enttäuschung für alle, die nach dem Regierungswechsel in Djakarta auf eine Entspannung der holländisch-indonesischen Beziehungen und auf einen Sieg der gemäßigten, antikommunistischen Parteien gerechnet hatten.

Es hatte in der letzten Zeit nicht schlecht ausgesehen. Eine Regierung von anständigen Männern hatte endlich den Kampf mit der Korruption aufgenommen und ein Programm ausgearbeitet, das nicht agitatorischen Forderungen, sondern der notwendigen Lösung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten Indonesiens und der Wiederherstellung der Einheit in der Armee entsprach.

Es ist anders gekommen. Der wirkliche Sieger dieser Wahlen ist bis jetzt Präsident Sukarno, dessen Nationalistische Partei (PNI) mit acht Millionen Stimmen führt. Die radikalen Moslems mit 6,7 Millionen stehen an zweiter Stelle, Masjumi, die progressiv-konservative islamitische Partei, mit 6,2 Millionen an dritter, auf dem Fuße gefolgt von den Kommunisten mit der unerwartet hohen Zahl von 5,9 Millionen Stimmen. Die Sozialisten, die Partei der Intellektuellen und Offiziere, scheinen praktisch vernichtet.

Der Präsident hat offenbar nichts von seinem Einfluß auf die Massen verloren. Vielleicht ist es ihm gelungen, mit seiner Mekkareise das Mißtrauen vieler Mohammedaner zu überwinden. Die Unzufriedenheit der Massen, auf die Hatta und Sharir rechneten, war zwar ein Faktor, aber durch die hemmungslose Agitation gegen die Niederlande (vor allem in der Neuguineafrage) ist es ihm gelungen, sie auf die Ausländer abzulenken.

Die Kommunisten profitieren davon, daß sie nicht in der Regierung saßen, obgleich sie die Regierung im Parlament unterstützten. Sie haben die wirtschaftliche Sanierung Indonesiens sabotiert, und die Teuerung und das Massenelend, die dies nach sich zog, wirkten zu ihren Gunsten.

Es ist kein Zufall, daß die radikalen Moslem-Parteien in Mitteljava ihre größten Erfolge errangen, wo die Banden der Dar Ul Islam noch die Bevölkerung terrorisieren. Aber eine Regierungskoalition zwischen ihnen und der Masjumi könnte sich nur den „Islam-Staat“ zum Ziel setzen, und das würde die nicht-islamitischen Randgebiete zur Revolte treiben. Jetzt, wo die Masjumi ihren brains trust, die Sozialistische Partei, verloren hat, könnte sie leicht reaktionär werden.

Die Offiziere, die durch ihre Aktion die Volksfrontregierung zu Fall gebracht haben, werden sich einen dritten Staatsstreich nicht leisten können. Die Armee hat während der Wahlen in tadelloser Weise Ruhe und Ordnung erhalten. Ihre Führer dürften von dem Resultat schwer enttäuscht sein, aber ein neues Eingreifen gegen den Willen der Massen und gegen Sukarno würde das Offizierskorps sofort entzweien.