Dem Wochenbericht aber die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank AG, dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen.

Die bereits seit einiger Zeit an den Weltwarenmärkten bestehende Schwächeneigung machte sich in der vergangenen Woche in verstärktem Umfange bemerkbar. Diese Entwicklung dürfte einmal auf die augenblickliche Preisrückläufigkeit bei solchen Waren zurückzuführen sein, deren Preisniveau während der letzten Monate zum Teil überhöht war, und zum anderen auf eine weitere Aufstockung der Lagerbestände infolge der jetzt hereinkommenden Ernten, so daß hierdurch ein zusätzlicher Marktdruck entsteht. Die nochmalige Herabsetzung des kanadischen Weizenpreises während der Berichtswoche, eine Maßnahme, die nicht ohne Einfluß auf die künftige Gestaltung des IWA-Preises sein dürfte, ist symptomatisch für die Situation des gesamten Getreidemarktes. Bei den NE-Metallen ist deutlich eine Entspannung der Marktlage erkennbar. Dies ist sowohl auf eine Erhöhung des Angebots als auch auf eine Beruhigung der Nachfrage zurückzuführen. Bei Kautschuk setzte sich während der Berichtswoche der Abbau des wohl als erhöht anzusehenden Preises fort. Ebenfalls dürfte der Kautschukmarkt wie auch die NE-Metallmärkte bereits unter dem Einfluß der Unsicherheit der nächstjährigen Autokonjunktur stehen. Kennzeichnend für die augenblickliche Verfassung der Weltwarenmärkte ist, daß inzwischen die wichtigsten Anschaffungen zur Realisierung der diesjährigen Dispositionen sowie die Käufe zur Durchführung des Weihnachtsgeschäf s getätigt sind. Daher muß für den Rest des Jahres in Anbetracht des bevorstehenden Winters, falls keine außergewöhnlichen politischen Ereignisse eintreten, mit einem ruhigeren Marktverlauf gerechnet werden.

Getreide: Die Entwicklung an den US-amerikanischen Getreidebörsen war während der Berichtswoche uneinheitlich. Während in New York die Loko-Notierung von hardwinter-Weizen einen leichten Anstieg aufwies, die übrigen Getreidearten dagegen niedriger notierten, war in Chikago mit Ausnahme von Mais ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Auch Gerste in Winnipeg wies kleine Preisgewinne auf.

NE-Metalle: Die NE-Metallmärkte standen unter dem Einfluß der schwächeren Kupferpreistendenz. Diese Schwächeneigung ging von New York aus, wo die Kupferschrott-Notierungen rückläufig waren und wo sich ein stärkerer Widerstand gegen die bisher von den Lohnschmelzen geforderten Preise bemerkbar machte, so daß diese sich veranlaßt sahen, ihre Forderungen zu ermäßigen.

Kupfer: Die schon seit einiger Zeit erkennbare Besserung der Versorgungslage, verbunden mit einer Preisabschwächung, hat in den USA sogar die Vermutung auftauchen lassen, daß der Hüttenabgabepreis, der gegenwärtig 43 c/lb beträgt, gesenkt werden könnte. Besonders deutlich spiegelte sich die Entwicklung in den USA auf dem Londoner Kupfermarkt wider, der seit längerer Zeit einer beträchtlichen Preisrückschlag erlebte. Selbst Arbeitsunruhen im afrikanischen Kupferbergbaugebiet übten keinen festigenden Einfluß auf den Londoner Markt aus. Die Entspannung der Versorgungslage in den USA kommt auch in der Aufhebung der mengenmäßigen Beschränkung der US-Raffinadekupferausfuhr zum Ausdruck. Im IV. Quartal des Jahres kann Raffinadekupfer aus der ausländischen Bergwerksgewinnung mit Ausnahme von Raffinadekupfer, das aus Schrott kanadischer Herkunft gewonnen wurde, wieder unbeschränkt ausgeführt werden, nachdem dieser Export im III. Quartal 1955 auf 54 000 sht. beschränkt worden war.

Wolle: Die Wollnotierungen lagen erneut schwächer. In London wirkte die Tatsache, daß die australischen Notierungen mehr oder weniger unverändert blieben, aber keine merkliche Abwärtsbewegung durchmachten, enttäuschend. Das Kaufinteresse war während der Berichtswoche nur gering und der Handel wartet offensichtlich die Entwicklung der australischen Rohwollnotierungen in der kommenden Woche ab.

Baumwolle: Am New Yorker Baumwollmarkt war die Preistendenz überwiegend nach unten gerichtet. Vor allem die späteren Termine lagen gedrückt, da allgemein infolge der günstigen Witterung mit einem hohen Ernteergebnis gerechnet wird. – Die privaten Ernteschätzungen bewegen sich daher auch zum Teil beträchtlich über der letzten amtlichen Ernteschätzung vom September. Sie schwankten zwischen 13,388 Mill. Ballen und 14,240 Mill. Ballen gegenüber der amtlichen September-Schätzung in Höhe von 12,873 Mill. Ballen.