x. y., Görlitz

Vor kurzem kam es nördlich von Görlitzüber der kleinen Gemeinde Nieder-Ludwigsdorf, die direkt an der Neiße liegt, zu einem Flugzeugzwischenfall. Diesem Punkt der sowjetdeutsch-polnischen Demarkationslinie näherte sich gegen Abend ein polnisches Segelflugzeug vom Typ GRYF, das von einem Segelfliegerhorst bei Lauban hochgeschleppt und durch starke Aufwinde nach Westen abgetrieben worden war. In etwa 150 Meter Höhe überflog das Flugzeug die Grenze, wobei es von polnischen Grenzeinheiten heftig beschossen wurde. In der Annahme, der Pilot wolle einen Fluchtversuch unternehmen, erhielten nicht nur die Flakabwehr, sondern auch die MG-Posten auf den Grenzwachtürmen Feuerbefehl. Gleichzeitig wurden die sowjetdeutschen Wacheinheiten an der Neiße alarmiert. Da das Flugzeug trotz der geringen Höhe keine sichtbaren Beschädigungen erlitt und über den Fluß flog, eröffnete auch die Volkspolizei auf dem westlichen Ufer das Feuer. Über Nieder-Ludwigsdorf gelang es dann dem Piloten, in eine Linkskurve zu gehen und zurück nach Osten zu fliegen. Trotzdem wurde von den beiderseitigen Grenzabteilungen die Beschießung fortgesetzt. Augenzeugen berichten, daß der Pilot verzweifelt versuchte, die Einheiten auf den Irrtum hinzuweisen. Er warf mehrere weiße Tücher ab und setzte offensichtlich zur Landung auf polnischem Gebiet an. Das Feuer hielt jedoch unverändert an, so daß er Aufwindluftströmungen benutzte, um wieder an Höhe zu gewinnen und tiefer in polnisches Territorium zu gelangen. In diesem Augenblick erschien eine Gruppe von Jagdflugzeugen mit polnischen Hoheitsabzeichen, die hintereinander das Segelflugzeug anflogen und abschössen. Es stürzte brennend gegenüber von Ludwigsdorf ab.