Die gedrückte Geschäftslage im dritten Berichtsjahr der Gußstahlwerk Bochumer Verein AG, Bochum, das am 30. September 1954 beendet wurde, hat den Rückstand aus Kriegs- und Demontageschäden noch nicht so zügig überwinden lassen, wie es bei anderen Hüttenwerken möglich gewesen ist. Der Bochumer Verein verfügt heute erst über 85 v. H. seiner Erzeugungsleistung von 1938 bei Rohstahl, während im Bundesgebiet im Durchschnitt 131 v. H. bei einer Streubreite von durchschnittlich 120 bis 180 v. H. der Rohstahlleistung von 1938 zu verzeichnen ist, wenn man den BV und die August-Thyssen-Hütte außer Betracht läßt. Obwohl das Unternehmen nicht einmal die Möglichkeiten des § 36 ausnutzen konnte und lediglich normale Abschreibungen von 25,99 Mill. DM verbucht, wird ein von 13,5 um 11,27 auf 24,78 Mill. DM erhöhter Verlust per 30.September 1954 ausgewiesen und der oHV am 24. Oktober der Vortrag dieses Verlustes vorgeschlagen.

Während 1952/53 der durchschnittliche Monatsumsatz noch rund 35 Mill. DM betrug, sank er im ersten Halbjahr 1953/54 auf 29,8 und erreichte nach der Besserung gegen Ende des Geschäftsjahres einen Gesamtjahresdurchschnitt von 32,8. Die ungenügende Auslastung der Anlagen, die geringere Produktion mit hohen festen Kosten, Schrottverteuerungen und Erlösminderungen bewirkten den Verlustabschluß. Doch für das jetzt zu Ende gegangene neue Geschäftsjahr 1954/55 wird eine bessere Prognose gegeben. Die Umsätze gingen zu Anfang 1954/55 der Menge nach um 16,5, dem Werte nach um 18,6 v. H. herauf und haben sich inzwischen weiter gebessert. Bei hohem Auftragsbestand und einer für lange Zeit gesicherten vollen Beschäftigung arbeitet das Unternehmen zur Zeit mit Überschüssen. Doch die Modernisierung der gesamten Stahlindustrie zwingt auch den Bochumer Verein zu neuen, die Qualität steigernden und die Rationalisierung fördernden Investitionen. Die eigenen Mittel reichen dafür nicht aus, so daß das Unternehmen weitgehend auf Fremdkapital angewiesen sein wird. Aus dieser Bemerkung darf wohl geschlossen werden, daß Anleihe- bzw. Pläne für eine Kapitalerhöhungerörtert werden. Bei über 400 Mill. DM Jahresumsatz ist das Unternehmen mit 69 Mill. DM AK als unterkapitalisiert zu bezeichnen.

In einer konsolidierten Bilanz, in der die Ergebnisse der „WURAG“ Eisen- und Stahlwerke AG, Hohenlimburg, und der Gewerkschaft Christine, Essen-Kupferdreh, enthalten sind, werden die Anlagen mit 256 (259) nach 23,8 Mill. Zugängen und 27 Mill. Abschreibungen, ferner Beteiligungen mit 24,5 (25,3) Mill. DM aktiviert. Im Umlaufvermögen von 163 (150,7) Mill. DM sind Vorräte mit 84 (101), Forderungen mit 60 (41) und flüssige Mittel mit 18 (8,7) Mill. DM enthalten. Rücklagen betragen 113,5 (119,4), Rückstellungen 85,4 (84,5) und Wertberichtigungen 22,9 (23,03), ferner Verbindlichkeiten 178,5 (153,6), darunter 92,7 (70,4) Mill. DM langfristige Darlehen und Hypotheken. r l t.