Von A. E. Johann

Mit dem Bild eines der erfolgreichsten Unternehmer in Portugiesisch-Angola begannen wir in unserer letzten Ausgabe eine Afrikaserie des bekannten Reiseschriftstellers A. E. Johann. Sein Bericht schloß mit der Schilderung des riesigen Farmbetriebes, dessen landwirtschaftliche Produktionsmöglichkeiten von seinem Besitzer voller Weitsicht auf die Bedürfnisse des Weltmarktes abgestimmt werden.

Um eine langt Geschichte kurz zu machen: Seit 1949 hat der ebenso vorsichtig rechnende wie kühn vorausplanende Mann jährlich 600 Hektar mit Eucalyptus Saligna bepflanzt. Heute rauschen hügelauf und ab schon sieben Millionen Bäume im kühlen, klaren Wind der Trockenzeit, Bäume in allen Altersklassen. Sie würden ausreichen, um täglich hundert Tonnen Zellstoff zu produzieren, ohne daß sich die Menge schlagreifen Holzes je vermindern würde, denn es wächst ja von selbst wieder nach, was verbraucht wird, um sich in Leitartikel, Zigarettenannoncen, Lesebücher, Kataloge und die Sitzungsprotokolle des Bundestages oder des House of Commons zu verwandeln.

Die mögliche Rentabilität einer großen Zellstofffabrik hier im Hochland von Angola ist von besten deutschen Fachleuten geprüft worden, unter gewissenhafter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse dieses tropischen Landes. Die Rentabilität wäre schon bei 50 Tagestonnen gegeben. Die vorsichtigste Schätzung, die von amerikanischen Unkostenzahlen ausgeht, kommt auf eine Verzinsung des zu investierenden Kapitals von zwölf Prozent; die auf Grund der hiesigen tatsächlichen Unkosten errechnete Rendite liegt zwischen 20 und 25 Prozent. In vier, fünf Jahren wäre also das ganze Anlagekapital zurückverdient. Wenn das kein Geschäft ist, weiß ich überhaupt nicht mehr, was sonst noch ein Geschäft genannt werden kann!

An dieser Stelle ertappe ich meinen neuen Bekannten zum ersten und einzigen Male auf einer Sentimentalität: er legt großen Wert darauf, die Zellulosefabrik mit deutschem Kapital zu errichten; es wird allmählich Zeit dazu, denn die Eukalyptenwälder warten auf den Einschlag. Und für die Fabrik, die einige Dutzend Millionen kosten würde, reichen seine Gelder kaum, wenn er sich nicht von allen Reserven entblößen will – und dazu neigt er nicht. Er hat – wie gesagt – nur einmal alles auf eine Karte gesetzt.

Natürlich – wenn die Deutschen ihre Chance nicht sehen: Holzfaserplatten mit englischen Kapital bringen keine schlechteren Profite als Zellstoff. Und die Benguelabahn sucht dringend nach Brennholz für ihre Lokomotiven und nach Bahnschwellen. Grubenholz für die Minen im belgischen Katanga ist sehr gefragt. Viele Eisen liegen im Feuer, wenn das eine, an dem sein Herz hängt, sich nicht schmieden lassen sollte.

Aber er sieht bereits die fernen, in den Horizont hineinschwingenden Hänge unter rauschenden und raschelnden Eukalyptuswäldern grünen; er sieht gesunde Forstwirtschaften; geleitet von selbständigen Siedlern, die den allmählich aufwachsenden Zellstoff- und schließlich Papierfabriken den Rohstoff Holz liefern; feste Verträge garantieren ihnen eine feste Existenz. Die Bücher werden billiger werden, und die Zeitungsleute brauchen kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, weil ihre Blätter von den Wäldern des Nordens stammen. Angola allein könnte ganz Portugal und Deutschland mit Papier versehen. Und dieser großen portugiesischen Provinz, der zweiten Heimat, wüchse neben dem Kaffee, dem Sisal und den Diamanten endlich eine verläßliche vierte Hilfe; darauf hofft mein Gastgeber, denn er liebt sein Angola, mehr noch: er fühlt sich Portugal und den Portugiesen tief verpflichtet; er weiß doch, was gerade er dem Takt und der wohlwollenden Klugheit der portugiesischen Behörden während und nach dem Kriege verdankt! (Dieses Bewußtsein wird übrigens von der überwältigenden Mehrheit der Angola-Deutschen geteilt.)