Als Folge der erhöhten westdeutschen Industrieproduktion, die im ersten Halbjahr 1955 gegenüber der Vorjahresvergleichszeit um 17,3 v. H. stieg, ergab sich eine starke Steigerung des industriellen Kohleverbrauchs; er ist im ersten Halbjahr 1955 gegenüber 1954 um 14,5 v. H. angewachsen. In der gleichen Zeit erhöhte sich übrigens der Gasverbrauch um 16,9 v. H., der Stromverbrauch um 13,8 v. H. und der Heizölverbrauch sogar um 66,5 v. H. Der vermehrte Verbrauch der Industrie führte leider dazu, daß die Bundesbahn, die Hochseefischerei und natürlich auch die ,,Normalverbrau]cher" in der Kohlebelieferung erheblich benachteiligt werden.

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Wir sollten wieder mit dem Pfennig rechnen! Unter diesem Motto startet die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände eine großangelegte Propagandaaktion, die alle Verbraucher – und vor allem die Verbraucherinnen – daran erinnern will, daß sie durch eine bessere Kaufdisziplin wesentlich auf die Preisgestaltung einwirken können. In seinen Bemühungen um spürbare Preissenkungen hat Bundeswirfschaftsminister Erhard dank der Unterstützung durch den Bundesfinanzminister einen neuen Erfolg zu verzeichnen: Kaffee, Zucker, Salz, Streichhölzer und Haushaltsstrom sollen billiger werden.

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Die Arbeitgeberverbände der eisen- und stahlerzeugenden und der metallverarbeitenden Industrie Nordrhein-Westfalens machten bei ihren am 13. Oktober angelaufenen Lohnverhandlungen den Gewerkschaften den Vorschlag, Preissenkungen statt Lohnerhöhungen vorzunehmen. Dieses Angebot hat bei der beteiligten Gewerkschaft (IG Metall) zunächst scharfen Widerspruch gefunden. Die Verwirklichung des Vorschlages würde ein Ingangsetzen der Preis-Lohn-Spirale verhindern können, zumal feststeht, daß eine Lohnheraufsetzung auf der Eisenseite unverzüglich eine Lohnerhöhung im Bergbau – und automatisch eine Kohlenpreiserhöhung – auslösen müßte. Besonders erfreulich wäre es, wenn dieser konstruktive Vorschlag ähnliche Schritte bei anderen Industriegruppen zur Folge haben würde.