Es steht ein Gerippe bei ihm im Schrank, sagt man in England, wenn jemand eine etwas peinliche Angelegenheit zu verbergen trachtet. Ein solches Gerippe im Schrank des britischen Kolonialministeriums war der Kabaka Mutesa, das gekrönte Haupt des Negerstammes der Baganda (so heißen, nach unerfindlichen Abiautgesetzen die Bewohner von Buganda). Dieser Kabaka Mutesa hatte sich geweigert, Vertreter seines Stammes in den Volksrat des britischen Protektorats Uganda – von dem Buganda ein Teil ist – zu entsenden, da er in einem solchen Plan föderative, der Eigenständigkeit von Buganda schädliche Bestrebungen witterte. Ein sehr energischer Gouverneur verfügte daraufhin, im Zusammenwirken mit einem noch stark in imperialen Vorstellungen befangenen Kolonialminister, nicht nur die Absetzung des Kabaka, sondern auch seine Zwangsumsiedlung in die britische Metropole – die Königin und die kleine Prinzessin Dorothy mußten zurückbleiben.

Das war vor nun fast zwei Jahren. Und es beunruhigte das Gewissen vieler Engländer. Denn wie immer man die Geschichte drehen mochte – es blieb ein Gewaltakt, der politisch schwer und menschlich noch schwerer zu rechtfertige war. Im Stamme der Baganda wurde als Zeichen des Protestes allgemeine Volkstrauer organisiert: kein Alkohol sollte mehr getrunken, kein Fußball mehr gespielt werden; die Frauen weigerten sich, europäische Kleidung zu tragen, und die Männer schworen, sich nicht mehr zu rasieren.

Der Kabaka wurde in London nicht etwa eingesperrt; er erhielt sogar eine "Trennungsentschädigung" und durfte sich als charmanter junger Mann mit vorzüglichen Manieren überall bewegen, nannte sich "Freddy" und wurde bald zum Liebling des Publikums in den Nachtklubs und der Journalisten in Fleet Street. Aber auch dies schenkte dem englischen Gewissen keine Ruhe.

Ein jüngerer Kolonialminister benutzte die Gelegenheit, sich vom Erbe seines Vorgängers zu distanzieren. Er fand in Sir Keith Hancock den Mann, dem es gelang, brauchbare Kompromiß vorschläge auszuarbeiten. Vertreter der Baganda sind nun in den Volksrat eingezogen – wozu sich die Engländer beglückwünschen. Und der Kabaka ist am Montag trotz wiederholten Versicherungen, seine Verbannung sei "endgültig", zurückgekehrt – worüber die Baganda triumphieren. Was die Gefühle von Sir Andrew Cohen anlangt, als er den vor zwei Jahren von ihm selber Vertriebenen jetzt mit besonders herzlichen Begrüßungsworten nieder empfing – da sind wir auf Vermutungen angewiesen.

"Buganda hat aller Welt gezeigt, daß es im Recht ist" – "Der Einzug des Kabaka ist prächtiger als die britische Krönung" – so jubelte die Kisuaheli-Presse. Manche halten die Gelegenheit für günstig, an ein zweites Gerippe im Schrank des Ministeriums zu erinnern, das Seretse Khama heißt... Leo