Mit einer Besucherzahl von über 900 000 – davon rund 525 000 aus dem sowjetisch besetzten Gebiet – hat die sechste Deutsche Industrie-Ausstellung in Berlin ihre Pforten geschlossen. Auffällig war der ungewöhnlich hohe Anteil von Besuchern aus Ostberlin und der Sowjetzone, der sich zum Teil durch materielle Gefälligkeiten erklären läßt, die ihnen in diesem Jalre erstmalig gewährt wurden. Die politische Zielsetzung dieses größten "Schaufensters des Westens" hat an Anziehungskraft noch zugenommen. Ebenso wesentlich ist aber auch der wirtschaftliche Erfolg der Abstellung, der in einer deutlichen Hinwendung zum Mesiecharakter zum Ausdruck kam und in einer bisher bei dieser Veranstaltung nicht gekannten Zahl von Käufen und Kaufabschlüssen seinen Niederschlag gefunden hat. Bei den Gemeinschaftsausstellungen, wie sie unter ancerem vom Ruhrkohlenbergbau, von der Eisen- und Stallindustrie, der Aluminiumindustrie, der Kupferwirtschaft, der chemischen Industrie und der Kautschukwirtsduft gezeigt wurden, läßt das große Interesse Hoffnungen auf ein Nachgeschäft zu, das den verschiedenen Sparten des Handels zugute kommen wird.

Während an der Ausstellung selbst rund 1100 Unternehmen und Organisationen aus 26 Ländern beteiligt waren (davon 341 ausländische Aussteller), wurden Einkäufer aus rund 40 europäischen und überseeischen Ländern festgestellt, die von der Berliner Absatzkonnten in Berlin trotz der voraufgegangenen Fachausstellungen in Westdeutschland noch umfangreiche Käufe in- und ausländischer Kunden buchen. Dieser Erfolg dürfte zu einem erheblichen Teil auf die Tätigkeit der Hauptberatungsstelle für Elektrizitätsanwendung (HEA) in Frankfurt zurückzuführen sein, die nicht nur auf der Ausstellung einen umfangreichen Stand unterhielt, sondern in diesen Tagen neben ihren Außenstellen in Hannover und Stuttgart auch eine eigene Landesstelle Berlin eröffnet hat.

Im nächsten Jahr wird die Ausstellung in der Zeit vom 15. bis 30. September stattfinden und ihr Schwergewicht auf die Rundfunk- und Fernsehindustrie sowie auf den Maschinenbau legen, da dann im Bundesgebiet keine Fachausstellungen dieser Industriezweige vorgesehen sind. Auch 1957, dem Jahr der Internationalen Bauausstellung in Berlin, ist für die Industrie-Ausstellung vom 14. bis 29. September eine besondere Themenstellung gegeben. Sie wird sich speziell den Industriezweigen widmen, die unmittelbar mit der Bau- und Wohnungswirtschaft zusammenhängen, wobei der Begriff Wohnbedarf auf Möbel und Dekorationsstoffe beschränkt bleiben soll.G.