Bei dem Hamburger Afrika-Haus G. L. Gaiser, über dessen Insolvenz wir letzthin ausführlicher berichtet haben, geht der Geschäftsbetrieb weiter; die Hoffnung, daß sich doch noch eine finanzkräftige Gruppe findet, die zur Übernahme des Unternehmens bereit ist, braucht noch nicht aufgegeben zu werden. Allerdings besteht – obwohl immer noch beträchtliche Aufträge einlaufen und die deutschen Lieferanten an der Zusammenarbeit mit Gaiser festhalten – nunmehr die Gefahr, daß die Angestelltenschaft des Hauses Gaiser in alle Winde zerstreut wird. Den Angestellten ist zum September-Ultimo vorsorglich gekündigt worden, was ja, nach dem Antrag auf Eröffnung des Vergleichsverfahrens gestellt worden war, auch durchaus in der Ordnung ist. Nicht in Ordnung ist aber, daß die Gehälter für September nicht gezahlt werden konnten: weil weder die vorläufigen Vergleichsverwalter noch der Inhaber der Firma über die Mittel verfügen.

In dieser ungewöhnlichen Situation, die aus der relativ langen Zeitspanne zwischen Stellung des Vergleichsantrags und Eröffnung des Verfahrens resultiert, wären ja wohl die Gläubigerbanken dazu berufen, die fälligen Gehaltszahlungen (gegen Abtretung der bevorrechtigten Gehaltsforderungen) zu leisten. Die Hauptgläubigerin aber, die Hamburger Bank für Gemeinwirtschaft, hat eine derartige Anregung weit von sich gewiesen ... Vorher hatten sich die Gaiser-Angestellten an den Herrn Bundeswirtschaftsminister gewandt mit der Bitte, er möge der Bank für Gemeinwirtschaft die Annahme der vorgeschlagenen Regelung empfehlen. Aus Bonn kam mit Fernschreiben ("im Auftrage gezeichnet Fischer") prompt die Antwort: erstens, es seien keine Bundesmittel für solche Zwecke verfüglich und alles Weitere müsse den vorläufigen Vergleichsverwaltern überlassen bleiben, und zweitens:

"Zahlungen, die in dem hier vorgeschlagenen Verfahren erfolgen würden, würden lediglich zu neuen untragbaren Verzögerungen führen, die im Endergebnis die Ansprüche anderer Gläubiger beeinträchtigen müßten."

Diese Antwort ist – Herr Ministerialrat Fischer möge uns unsere ehrliche Meinung nicht verübeln – eine ausgesprochene Fehlzündung: ebenso unsachlich in ihrer Begründung wie unverantwortlich in den Folgerungen. Der Beauftragte des Herrn Ministers Erhard sollte sich ja doch wohl genieren, den Angestellten einen Rat zu geben, der darauf hinausläuft, daß sie zugunsten anderer Gläubiger ihre berechtigten Forderungen "bis auf weiteres" oder ganz und gar zurückstellen ... und daß sie inzwischen ihre Betten zur Pfandleihe tragen und auf einer Strohschütte schlafen! Wenn die andere Großgläubigerin, die Norddeutsche Bank, und die andere betroffene Behörde, nämlich das hamburgische Amt für Wirtschaft, die vorgeschlagene Lösung zugunsten der Angestellten des Hauses Gaiser als praktikabel bezeichnet haben und dabei "mitmachen" wollten, so hätten ja doch wohl die Bank für Gemeinwirtschaft und der Bundeswirtschaftsminister die gleiche Bereitschaft bekunden können...

Die Sache wird aber noch übler dadurch, daß Herr Direktor Bartels (von der Bank für Gemeinwirtschaft) an die Angestellten das Ansinnen gerichtet hat: sie sollten einen Druck auf den Inhaber der Firma G. L. Gaiser ausüben, damit dieser den von ihm gestellten Vergleichsantrag zurückziehen möge; dann käme man zum Konkursverfahren; und es könne nun "schnell" eine Auffanggesellschaft errichtet werden, die auch einen Teil der Gaiser-Angestellten übernehmen würde ... Das ist, binnen Jahresfrist, nun schon das zweitemal, daß den Betriebsangehörigen zugemutet wird, sie möchten dem Firmeninhaber bestimmte Entschlüsse aufzwingen! Im übrigen handelt es sich um eine Gehaltssumme von 64 000 DM, die nachträglich für September (und demnächst wiederum für Oktober) aufzubringen ist. Anders gesagt, handelt es sich um den Lebensunterhalt von etwa 70 Familien. Darunter sind auch die Angehörigen verschiedener Angestellter, die in Nigeria tätig sind. Vermutlich werden diese sagen: Es sei eine Schande, daß sich weder in Bonn noch in Hamburg eine Instanz findet, die ihren Angehörigen zu dem ihnen zustehenden Gehaltsanteil verhilft. Damit hätten sie nicht einmal so unrecht. E. T.