Die diskreten Mahnungen und selbst die dann folgenden massiven Warnungen, die die Deutsche Bundesbahn an die Adresse der verladenden Wirtschaft richtete, die schleppende Be- und Entladung der von ihr gestellten Güterwagen zu vermeiden, blieben erfolglos. Mehr und mehr hat sich in der Wirtschaft die üble Gepflogenheit eingebürgert, es mit der Be- und Entladung nicht sonderlich wichtig zu nehmen und die an sich raren Güterwaggons als praktischen (und billigen) Lagerraum zu verwenden. Daß diese Rücksichtslosigkeit anderen Unternehmungen Schwierigkeiten bringen muß, weil die unnötig festgehalteten Waggons dann nicht rechtzeitig gestellt werden können, ist den säumigen Be- und Entladern anscheinend ziemlich gleichgültig, zumal das von der Deutschen Bundesbahn erhobene Wagenstandgeld so gering ist, daß es bei den nachlässigen Firmen wohl kaum zu Buch schlägt. Außerdem haben sie sich sicher ausgerechnet, daß es für sie billiger ist, der Bundesbahn Wagenstandgelder anstatt die zweifellos höheren Lagerraumgebühren zu bezahlen.

Gegen diesen immer stärker um sich greifenden Schlendrian der verladenden Wirtschaft will die Bundesbahn nun energisch zu Felde ziehen: Die Wagenstandgelder sind erheblich erhöht worden. Dieser Schritt, der aus Rücksicht auf den von der Bundesbahn geübten Kundendienst immer wieder hinausgeschoben wurde, hat übrigens beim Bundesverband der Deutschen Industrie und auch beim Deutschen Industrie- und Handelstag volle Unterstützung gefunden. Beide Gremien sind sich mit der Bundesbahn darüber einig, daß die zunehmende Verzögerung in der Be- und Entladung von Güterwaggons eine erhebliche Benachteiligung der korrekten Verlader darstellt, ganz abgesehen davon, daß die Nichtstellung eines Güterwagens für die Wirtschaft weitaus gravierender ist als eine noch so empfindliche Erhöhung des Wagenstandgeldes. Im übrigen ist es wirklich höchste Zeit, daß die bisher nachlässigen Be- und Entlader endlich wieder zu korrekten Methoden zurückkehren, und dies nicht nur deshalb, weil die Bundesbahn nun einmal nicht über ein unerschöpfliches Wagenreservoir verfügt. ww .