Das Schwurgericht Augsburg hat den ehemaligen SS-Standartenführer Walter Huppenkothen wegen Beihilfe zum Mord an dem Abwehrchef Admiral Canaris und vier seiner Mit verschworenen zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Verteidigung wird Revision einlegen. Zweimal zuvor, 1951 und 1952, hatte ein Schwurgericht in München ihn freigesprochen, beide Male verwies der Bundesgerichtshof das Urteil mit bindenden Rechtsbelehrungen zur neuen Verhandlung zurück. Das Augsburger Gericht hat festgestellt, der Tötungsbefehl Hitlers oder Kaltenbrunners sei Mord gewesen, weil er aus Rachsucht erlassen wurde, um Canaris noch kurz vor dem Zusammenbruch zu liquidieren. Da Huppenkothen sich darüber klar war, habe das Standgericht in Flossenbürg nur eine Komödie dargestellt.

Man erwartet von einem Standgericht nicht die umständliche Sorgfalt eines ordentlichen Verfahrens, aber Huppenkothen konnte sich nicht darauf berufen, schwierige Rechtsüberlegungen seien ihm als einfachem Staatsbürger nicht zumutbar gewesen. Er hatte Rechts- und Staatswissenschaften studiert, 1934 die große Staatsprüfung abgelegt, und er besaß, äußerlich jedenfalls, die Befähigung zum höheren Richteramt. Was wirkliche Rechtsprechung bedeutet, das konnte er jetzt bei seinem eigenen Prozeß lernen. Im Urteil hielt das Gericht Huppenkothen mildernd zugute, er sei von der Schuld des Abwehrchefs überzeugt gewesen.

Bei Canaris aber hat das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit seines Tuns überhaupt gefehlt, er wußte zwar um die Gefahr und die möglichen Folgen, aber er handelte in der Überzeugung, das höhere Recht sei auf seiner Seite. Hitlers Regime gründete sich auf Hochverrat, nämlich Hochverrat gegen die Verfassung, spätestens seit er den Reichsrat, den gewählten Reichstag und das Amt des Reichspräsidenten beseitigte, wozu nicht einmal das Ermächtigungsgesetz ihn befugte. Seine Politik verdarb das Reich im Innern und führte es sichtbar dem äußeren Untergang entgegen. Widerstand hiergegen war für Canaris nicht Hochverrat, sondern der auf das unmittelbare Recht des Staatsbürgers gestützte Versuch, die Gemeinschaft gegen den eigentlichen Hochverräter, Hitler, zu schützen. Nicht einmal auf den ihm geleisteten Eid konnte Hitler sich rechtens berufen, nachdem er den eigenen brach, den er als Reichskanzler vor Hindenburg ablegte. Gegenüber einem höchsten Staatsdiener, der, wie Hitler, den Schwur auf die Verfassung des Staates bricht, hat, solange er eidbrüchig ist, kein Treueid Gültigkeit. Z.